Nach ca. einer Stunde Flug landeten wir in Cartagena / Kolumbien und setzten dort das erste Mal unsere Füße auf südamerikanischen Boden.

Beim Einreiseschalter wurden wir nur gefragt, wie lange wir im Land bleiben wollten und so bekamen wir die gewünschten 90 Tage Aufenthalt in unsere Pässe gestempelt. Am Zoll fragten wir dann, wo wir denn unseren Hund abholen könnten … wir begaben uns direkt zum Cargo am anderen Ende des Flughafens. Rini ging in der Zwischenzeit noch Geld wechseln und ich durfte zu Zora – ihr hatte der Flug anscheinend gar nix ausgemacht. Rini kam zurück und wir bezahlten die ca. 30 USD Cargogebühr. Da Rini als Hundehalterin im Haustierpass eingetragen ist, musste sie nun alleine los, um die Einfuhrgenehmigung beim Zoll zu organisieren – ich blieb mit Zora im Cargo sitzen. Nach einer Stunde war Rini mit allen Papieren zurück und wir konnten los.

Mit Irene und Simon teilten wir uns ein Taxi und fuhren zu unserem vorab gebuchten Apartment. 2 Schlafzimmer, 2 Bäder, eine Küche und ein riesiger Balkon mit Blick aufs Meer. So konnten wir die 6 Tage bis zur Ankunft des Schiffes gut überbrücken. Die Klimaanlagen funktionierten glücklicherweise und liefen rund um die Uhr – im Gegensatz zum Internet, welches immer wieder mal für Stunden ausfiel. Die Tage verflogen mit Recherchen und dem Umbau der Webseite. Cartagenas wunderschöne Altstadt besichtigten wir an einem Abend und gingen seit langer Zeit wieder einmal Essen. Direkt am Hauptplatz. Aber irgendwie waren wir mit dem Kopf immer bei unserem Auto.

Endlich sahen wir – online via Vessel-Tracking – unser Frachtschiff, die „Medea“, am Montag im Hafen von Panama / Colon einlaufen und ein paar Stunden später wieder auslaufen. Irene und Simon können ihren Scania jederzeit über GPS orten und sahen, dass er nicht mehr am Hafen in Colon stand – die Fahrzeuge waren also eingeladen. Am Dienstag Mittag traf das Schiff dann endlich in Kolumbien / Cartagena ein und wir sprachen das erste Mal bei „Naves“ vor – das ist die WWL-Vertretung in Cartagena. Eine überaus freundliche Mitarbeiterin erklärte uns anhand von einem schnell zusammengeschriebenen „Laufzettel“, was wir zu erledigen hätten. Wir entschlossen uns – wie auch in Panama – alles ohne die Hilfe eines Agenten durchzuziehen. Wen es im Detail interessiert: Das gesamte Verschiffungsprocedere gibt es hier. Simon und ich fuhren durch die letzte Kontrolle am Hafen und klatschten erst mal ab. Überglücklich hatten wir die Fahrzeuge nun auf südamerikanischem Boden. Ich fuhr zum Apartment und Irene vom Apartment aus mit dem Taxi zu Simon, der außerhalb parkierte. Da wir die Unterkunft im Vorfeld aber bereits für eine weitere Nacht gebucht hatten, blieben Rini und ich noch dort, bevor wir am nächsten Tag unser rollendes Heim bezogen und einen neuen Kontinent unter die Räder nahmen.

Cartagena ließen wir hinter uns und fuhren der Küste entlang nach „Santa Marta“. Der Camping dort war leider geschlossen und so suchten wir eine Alternative in „Taganga“ – einem kleinen verschlafenen Ort in einer ruhigen Bucht. Der dortige Camping war nur für Zelte ausgelegt und als wir planlos im Ort standen sprach uns glücklicherweise Ursula an. Wir könnten bei ihr vor dem Haus übernachten – es sei überhaupt kein Problem! Super, vielen Dank dafür! Ich baute die Trennwand aus und montierte den Heckträger. Die ganze Nacht lief der Ventilator über dem Bett – es war wieder so heiß … 30 °C in der Nacht! So hieß es schnell Abschied nehmen von der Küste. In zwei großen Tagesetappen ging es Richtung Süden – wir wollten so schnell wie möglich in die kühleren Berge.

In „San Gil“ nisteten wir uns auf einem Campingplatz ein, malerisch gelegen an einem Wildwasserfluss. Wir waren auch mit den Temperaturen mehr als zufrieden. Zora durfte versuchsweise mal wieder von der Leine, aber dann wäre es fast mit ihr aus gewesen … wie verrückt sprang sie die Uferböschung hinab und ward nicht mehr gesehen. Rini rannte 100 Meter am Ufer entlang zu einer leichter zugänglichen Stelle am Fluss. Zora sprang die steile Böschung plötzlich wieder hoch, um sofort in die entgegengesetzte Richtung zu rennen – und verschwand wieder im dichten Ufergestrüpp. Irgendwo waren wohl Leguane im Busch – und da fährt sie voll drauf ab. Jedenfalls kam Zora wie verrückt wieder zum Auto gerast – selbst Futter konnte sie aber nicht ablenken und bevor wir sie zu fassen bekamen war sie wieder zum Fluss hinab gesprungen. Rini rannte wieder am Ufer entlang und ich rief Zora – ohne Erfolg. Nach einiger Zeit kam Rini nass bis auf die Haut mit Zora zum Auto zurück – sie hatte Zora aus dem Fluss gerettet. Wäre Rini nicht am Ufer entlang gelaufen – wir hätten nie erfahren was mit Zora passiert wäre. Die Strömung hatte sie bereits in die Mitte des Flusses getragen und nur ein paar 100 Meter weiter stromabwärts wurde der Fluss zu einem richtigen Wildwasser, aus dem es für Zora kein Entrinnen mehr gegeben hätte. Ab diesem Zeitpunkt herrscht nun wieder absoluter Leinenzwang!

Im Auto räumten wir noch einige Dinge um, die während der Verschiffung einen anderen Platz gefunden hatten und ich legte mich unter das Auto, weil wir immer noch ein nerviges „Knacken“ in Rechtskurven oder auf Schlaglochpisten hatten. Alles war fest und ich konnte nichts finden. Langsam zweifelte ich an mir selber. Als allerletztes kontrollierte ich die vordere Karosseriebefestigung zum Rahmen hin. „Das darf doch nicht wahr sein!“ – entfuhr es mir. Links hing die Mutter noch am letzten Gewindegang und rechts war sie ganz weg – ich fand sie im Rahmen liegend. Überglücklich zogen wir die Schrauben fest und lauschten am nächsten Tag gespannt ob es wieder „knackt“, aber – nichts – es war endlich Ruhe. Das musste gefeiert werden! In dem kleinen, beschaulichen Kolonialstädtchen „Barichara“ konnten wir mit einer fantastischen Fernsicht am Ortsrand stehen und fanden direkt am Marktplatz ein gemütliches Restaurant.

Als nächstes stand eine Wanderung zu einem Wasserfall auf dem Programm. Es ging zurück nach „San Gil“ und dann auf einer kleinen Straße – die momentan ausgebaut wird –  zu dem Wasserfall „Cascadas De Juan Curi“. Ein Trampelpfad führte uns durch dichten Dschungel, immer höher, bis wir angekommen waren an einer „Filmkulisse“. Die Bilder sprechen für sich!

Geplant war dann, der Piste weiter Richtung Süden zu folgen, um anschließend über eine Querverbindung zurück auf die Hauptstraße zu kommen. Unser Navi und auch die Satellitenkarten zeigten zwei Querverbindungen. So holperten wir ohne Knacken(!!) zur ersten Querverbindung und mussten dort feststellen, dass es an dieser Stelle nicht mal einen Eselspfad gab. Also auf zur Zweiten … Dort angekommen sahen wir eine Fahrspur, die als solche fast nicht mehr zu erkennen war. Hier ist sicher schon lange kein Auto mehr gefahren. Also blieb uns nichts anderes übrig, als nach San Gil zurück zu fahren und die Hauptstraße zu nehmen.

Durch herrlichste Bergregionen zog sich die befestigte Straße und der Himmel war mit den fantastischsten Wolkenformationen bestückt, die man sich vorstellen kann. In „Villa de Leyva“, einem weiteren Kolonialstädchen, welches unserer Meinung nach zum absoluten Pflichtprogramm auf einer jeden Kolumbienreise gehört, blieben wir zwei Tage. Wir wanderten steil bergauf zu einem Aussichtspunkt hoch über der Stadt und spazierten jeden Abend ins „Stadtzentrum“, um das Treiben auf dem riesigen Hauptplatz zu beobachten. Am Samstag war Markttag und so deckten wir uns für umgerechnet 5 € reichlich mit Obst und Gemüse, bei den Bauern der Region, ein.

Ein absolutes „Muss“ in Kolumbien ist die Besichtigung der Salzkathedrale in „Zipaquira“, nördlich von „Bogota“. Die Fahrt Richtung Bogota führte wieder durch bergiges Gebiet und plötzlich – wie aus dem Nichts – hatten wir an einer Steigung keine Leistung mehr, der Motor drehte nur noch bis 2500 U/min. Der hohe Biodieselanteil in Kolumbien forderte also seinen Tribut. Unsere Filter waren dicht. In der Bowle vom Separ-Filter sahen wir schon die gelösten Ablagerungen aus dem Tank und aus den Leitungen. Ich wechselte gleich beide Filter und dabei bemerkte ich, dass die Entlüftungsschraube am Filterkopf des Serienfilters nicht mehr fest war und sich leer durchdrehte. Ich klebte sie einfach mit Zweikomponentenkleber fest.

Bei unserer Ankunft an der Salzkathedrale fragten wir beim Einfahrtstor, ob wir eine Nacht auf dem Parkplatz stehen könnten, um am nächsten Tag in den Berg zu gehen. Der Sicherheitsmann zückte sein Funkgerät und meinte, wir sollen uns kurz gedulden. Daraufhin erschien ein netter Kerl, der uns herzlich „Willkommen“ hieß – wir könnten gerne über Nacht stehen. Am Abend liefen wir noch kurz in die Stadt – 500 Meter waren das nur – zum Hauptplatz mit einer wunderschönen Kathedrale.
Am nächsten Morgen waren wir die ersten Besucher am Ticketschalter und buchten unsere Tour. Die Salzkathedrale kann nur mit Führer besichtigt werden. Nicht zu fassen, was dort aus dem Salzgestein herausgearbeitet wurde. Kammern von gigantischen Ausmaßen und dann sind nur 3 % des gesamten Bergwerkes für den Tourismus zugänglich – in den restlichen 97 % wird immer noch Salz abgebaut. Kaum vorstellbar sind diese gewaltigen Dimensionen!

Nach Bogota wollten wir nicht und so bogen wir nördlich der Millionenstadt in Richtung Westen ab, um in einem Bogen wieder etwas weiter nach Norden zu schwenken. Es ging wie so oft in Kolumbien durch unwirklich grüne Berglandschaften mit immergrünem Regenwald. Unterwegs checkte Rini die Route und wurde ganz blass … „Es geht auf unter 100 Meter!“ – oh je, wieder in den Backofen! Auf 1700 Metern gab es eine Tankstelle mit einem riesigen Schotterplatz dahinter. Einige LKW standen herum und wir fragten beim Tanken, ob wir eine Nacht dort parken könnten – kein Problem! Klasse, die Nacht ist schon mal gesichert. Der nächst Fahrtag brachte uns von 1700 Metern auf fast 0 durch eine große Senke, wo wir auf dem Thermometer im Auto über 45 °C stehen hatten. Glücklicherweise war am Ende des Tages unser Ziel „Guatape“ auf 1900 Metern erreicht und somit wieder eine kühle Nacht gesichert. Der kleine Ort mit seinen reich verzierten Häusern begeisterte uns allerdings nicht besonders – es war viel zu touristisch. Am nächsten Morgen fuhren wir ein paar Kilometer zurück um auf ein Wahrzeichen der Gegend zu klettern – „El Penol“ – ein Granitfelsen, in den man Stufen gemauert hat, um auf den Gipfel zu gelangen. Nach anstrengenden 740 Stufen standen wir ganz oben und blickten über die künstlich angelegte Seenlandschaft.

Über die früher extrem gefährliche und berüchtigte Stadt „Medellin“, die wir auf sehr steilen Straßen erreichten, waren wir wieder ein Stück Richtung Süden unterwegs zu unserem nächsten Spot. Wir wollten unbedingt eine „Kaffee-Tour“, auf einer aktiven Kaffeeplantage, machen. Der Reiseführer spuckte dafür die „Finka Guayabal“ aus. Wir konnten auf der Plantage übernachten und am folgenden Tag bekamen wir eine tolle, englisch-sprachige Tour, quer über die 65 Hektar große Plantage.

Wir erfuhren alles über das weltweit so geliebte Heißgetränk. Von der Entdeckung in Äthiopien bis hin zu den heute teuersten Kaffeesorten (Katzen, Affen oder sogar Elefanten fressen Kaffeebohnen und scheiden diese auch wieder aus, die unverdauten Bohnen sind dann etwas ganz Besonderes und entsprechend teuer!). Die Plantage erwirtschaftet im Jahr (in zwei Ernten) 200 Tonnen Kaffebohnen. Die Bohnen werden auf der Plantage geerntet und getrocknet. 1a-Ware geht in den Export, die schlechteren Bohnen bleiben im Land und aus den ganz Schlechten wird Instant-Kaffee hergestellt. Übrigens werden die Bohnen unbehandelt exportiert und erst im Zielland nach den Geschmäckern der jeweiligen Ländern geröstet. Zum Abschluss der Tour gab es dann noch eine Kaffeeverkostung, bei der wir alle das Gesicht verzogen – sauer und bitter ohne Ende … Naja, die Geschmäcker sind eben verschieden. Zu guter Letzt erhielt jeder noch ein Zertifikat, das ihn als den absoluten Kaffee-Experten auszeichnet!! Jawohl 😉

In zwei Tagesetappen überquerten wir wieder die Berge Richtung Osten, um in die „Tatacoa Desert“ zu kommen. Diese kleine Wüste erinnerte uns an die Badlands in den USA. Übersät mit Kakteen und wunderbaren Farbspielen im Sandstein, lag die Wüste überschaubar vor uns – wir hatten uns einen tollen Platz ausgesucht – weit ab von den Campingplätzen. Es war jedoch wieder so heiß, dass wir bereits einen Tag später das Weite und somit wieder die Berge aufsuchten.

Unterwegs sahen wir immer mehr Militär an den Straßen und Soldaten, die uns mit erhobenen Daumen – nicht etwa signalisierten, dass sie uns klasse fanden – nein, der erhobene Daumen soll signalisieren, dass der weitere Weg sicher ist. Die „FARC“, die letzte Guerilla-Organisation in Kolumbien, führt zwar Friedensverhandlungen mit der Regierung, welche angeblich kurz vor dem Abschluss stehen, aber so ganz traut man der Sache wohl noch nicht. Wir waren in einem der letzten Rückzugsgebiete der „FARC“ unterwegs!

Die Straße quer durch die Berge war eine Gravelroad – soviel wussten wir – aber was dann folgte war der absolute Hammer! Inzwischen hatten wir Kategorien für Pisten eingeführt – bisher lag die „Routa 5“ in Guatemala mit einer Kategorie 5 ganz vorn. Wir vergaben für diese kolumbianische Bergstraße eine 5+. Schlaglöcher, Schlampassagen, extrem steinig und teilweise so steil, dass wir Allrad mit Untersetzung brauchten – so fuhren wir mit 8-10 km/h dahin. Allerdings war der Pistenverlauf durch die Berge fantastisch! In der nächst größeren Stadt „Popayan“ konnten wir direkt neben der Polizeistation stehen und liefen am Abend ins Zentrum mit seinen alten Kolonialbauten. Leider regnete es später aber, so wir zogen wir uns schnell ins gemütliche Auto zurück.

Am nächsten Tag sah das Wetter nicht besser aus, aber wir wollten uns den „Nationalpark Puracé“ nicht entgehen lassen. Der Asphalt hörte kurz hinter dem Örtchen „Puracé“ auf und wir schaukelten wieder mal auf einer brutal schlechten, mit Löchern gespickten Piste auf über 3400 Metern hoch. Die herrliche Landschaft in der Höhe war leider teilweise nur zu erahnen – tief hängende Wolken und Regen begleiteten uns bis zu der Rangerstation. Wir fragten, ob wir eine Nacht stehen könnten und es war überhaupt kein Problem. Die Ranger erklärten uns, dass es in dem Nationalpark viele Brillenbären gäbe und die Population stetig zunimmt. Nach einer regnerischen Nacht, in der ich die Höhe zu spüren bekam, da ich sehr schlecht schlief und mir extrem schlecht war, wanderten wir am Morgen in den Nationalpark zu einem Thermalquellenfeld. Beim Anblick der Quellen dachten wir beide gleichzeitig an den Yellowstone NP in den USA – das vor uns liegende Gelände sah genau so spektakulär aus – nur etwas kleiner 🙂 .

Wir schaukelten wieder ins Tal um die Querverbindung nach „St. Agustin“ zu nehmen. Auch diese Straße war natürlich wieder ohne Belag und so fuhren wir wieder von Schlagloch zu Schlagloch – inzwischen sehen wir das als das normalste der Welt!  Bis St. Agustin schafften wir es nicht und übernachteten mitten auf einem Dorfplatz in den Bergen. Durch St. Augustin fuhren wir erst mal durch, da wir noch einen Abstecher zum „Rio Magdalena“ machen wollten. Der ca. 50 Meter breite Fluss quetscht sich bei einer Engstelle durch eine nur 2 Meter breite Felsspalte. Rini meinte, dass das Wasser in der Felsspalte aussähe, als ob es mit Kohlensäure versetzt wäre, so sprudelte es in den unbekannten Tiefen.

Zurück im Ort wollten wir uns – wieder mal – bei Schweizern einnisten. Wir suchten jedoch nach ein paar Minuten sofort das Weite, weil die Hunde der Besitzer Zora nicht akzeptierten, obwohl sie sich sofort unterworfen hatte. Ein kleines Stück weiter fanden wir einen viel besseren Platz. Zu Fuß ging es in die Stadt und der Hunger trieb uns in ein Restaurant. Wir saßen direkt an der Straße, als wir Jessy und Benny mit ihrem Hilux vorüber fahren sahen, die Beiden hatten uns auch gesehen und hielten gleich an. Das letzte Mal sahen wir uns in Cartagena. Sie richteten sich auf dem selben Camp ein, auf dem wir schon standen und als ob das nicht schon Zufall genug gewesen wäre, kamen kurze Zeit später auch noch Irene und Simon ums Eck.

Am nächten Tag nahmen wir uns Zeit für eine der zahlreichen Ausgrabungsstätten rund um St. Agustin. In der Region wurden unzählige, aus Stein gemeiselte, Tier-, Meschen- und Monsterfiguren gefunden. Diese Stauen stammen aus der Zeit um 100 bis 1200 nach Christus und gehören heute zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Nach zwei Tagen verabschiedeten wir uns – alle fuhren nach Puracé, wo wir ja schon waren – und wir fuhren nach „Mocoa“, um von dort aus die Straße mit dem spektakulären Namen „El Trampolin De La Muerte“ – „Das Trampolin des Todes“ – unter die Räder zu nehmen. Kurz vor Mocoa übernachteten wir auf einem großen Platz bei einer Tankstelle, tankten voll und ich machte einen Ölwechsel. Am Abend kam eine SMS von Irene, dass wir nach Möglichkeit sofort tanken sollten, es gäbe keinen Diesel mehr, dafür aber überall auf der Straße Richtung Süden Bauernproteste mit Straßensperren. In der Nacht fing es heftigst zu Regnen an und als wir dachten, es könnte nicht mehr Wasser vom Himmel fallen, legte er noch mal an Heftigkeit zu. Am Morgen war der Spuk vorbei und wir begaben uns bei tiefen Wolken und dichtem Nebel auf das „Trampolin des Todes“. Eine Piste über die Berge und durch undurchdringlichen Dschungel, eng an Felswände gebaut, größtenteils einspurig mit Ausweichbuchten und mit Wasserdurchfahrten gespickt. Unglaublich schön und ein absolutes Highlight für uns! Leider war das Wetter nicht gut und so konnten wir von der fantastischen Straßenführung nur sehr wenige Bilder machen. Für 40 Kilometer brauchten wir ganze 6 Stunden!

An der „Laguna de la Cocha“ übernachteten wir am Restaurant „Jardin de Lago“. Wir waren am Abend die einzigen Gäste und bestellten das Tagesmenü. Und was wir dort bekamen, war für uns das beste Essen in ganz Kolumbien! 3 Gänge, als Hauptspeise jeder einen Fisch – super lecker und frisch zubereitet – und das alles zusammen für umgerechnet 5 Euro pro Person. Hammer! Am nächsten Morgen wurden auch wir mit den Bauernprotesten konfrontiert. Im nächsten Ort war viel Polizei und wir sahen riesige Steine auf der Straße, die wir aber ungehindert umfahren konnten. 200 Meter weiter ein schwarzer, drahtiger Ascheberg quer über der Straße – abgebrannte Autoreifen. Auch hier konnten wir einfach drüber fahren. Jede Tankstelle, die wir sahen, war geschlossen – nirgends gab es mehr Diesel oder Benzin. Glücklicherweise hatten wir genug im Tank um bis nach Ecuador zu kommen.

Diesel oder Proteste waren also nicht das Problem, welches uns kurz vor verlassen des Landes ausbremste – nein, ausgebremst hat uns unsere Bremse, die bremste nämlich nicht mehr. Das Bremspedal ließ sich bis aufs Bodenblech durchtreten, die Verzögerung dabei hätten wir auch mit den Fußsohlen geschafft! Bremsflüssigkeit war OK, keine Lecks waren zu sehen, also nahmen wir die Räder vorn ab und dann der Schock – die Bremsbeläge, die bei der letzten Kontrolle vor 5.000 Kilometern noch 60 % hatten, waren komplett aufgelöst, teilweise waren nur noch die Trägerplatten vorhanden. Der Belag war einfach zerbröselt! Ich vermute, dass es die ersten Beläge waren.

Neue Beläge hatten wir glücklicherweise dabei und nach 1,5 Stunden waren wir wieder unterwegs, Richtung „Santuario de Las Layas“, einer Kirche, die zum absoluten Pflichtprogramm in Kolumbien gehört. Tief in eine Schlucht an einen Felsen gebaut steht die Kirche an einem Ort, an dem ein Dorfbewohner einst die Jungfrau Maria gesehen haben will. 100te Dankestafeln zieren den Weg zur Kirche, auf denen der Jungfrau Maria für Wunderheilungen gedankt wird.

Eine letzte Nacht in „Ipiales“, einer nicht sehr schöne Grenzstadt und dann verabschiedeten wir uns von Kolumbien. Ein Land, das bis vor ein paar Jahren so schwer von Drogen- und Guerillakriegen gebeutelt wurde, empfing uns durchweg freundlich und aufgeschlossen. Wenn die Leute uns sahen, konnten wir ganz oft von den Lippen ablesen „Alemania“! Wenn wir ihnen dann noch gewunken haben wurde immer gelacht und zurück gewunken. Im Norden an der Karibikküste war es unerträglich heiß, in den Bergen dafür angenehm kühl.

Was uns besonders aufgefallen ist: die Luft ist so klar und rein, dass die Konturen so scharf sind, wie wir es noch nirgendwo anders erlebt haben. Die Hauptstraßen sind insgesamt in sehr gutem Zustand – allerdings kosten sie Gebühren und das nicht wenig! Wir haben es nicht aufgeschrieben – aber es war einiges. Die Nebenstraßen sind größtenteils unbefestigt, mal gut, mal schlecht, mal grottenschlecht. Lange vor der Reise sagte mir mal jemand, dass man für Südamerika kein Allrad-Fahrzeug brauche. Das müssen wir bereits im ersten Land des Kontinentes widerlegen! Sind wir doch so froh um unseren 4x4.

Würden wir nochmal nach Kolumbien reisen? Definitiv JA!

  • gefahrene Strecke: 3.586 km
  • Schäden bzw. Verschleißteile:Dieselfilter dicht (beide gewechselt) Bremsbeläge zerbröselt
  • Verluste: keine
  • Plattfüße: keine
  • Ausrüstungs FLOPPs:
    Rico`s 1 Jahr alte Wanderschuhe undicht (Jack Wolfskin)
    Rini`s 1 Jahr alte Wanderschuhe defekt – Sohle löst sich ab (Merrell)

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