Seit wir vor fast genau einem Jahr aus Südamerika zurückgekehrt sind, waren wir auf der Suche nach einem geeigneten Basisfahrzeug für unser neues Projekt – den 4×4 Camper 2.0

Wie auch damals – bei der Suche nach unserem IVECO – sind wir wieder kreuz und quer durch ganz Deutschland gefahren. Dabei erlebten wir so manche Enttäuschung, viele Überraschungen und am Ende fügte sich dann alles fast wie von selbst 🙂

Die lange Suche nach dem richtigen Basisfahrzeug – wie alles begann:

Irgendwann – während einer langen Fahrt auf staubigen Straße in der einsamen Pampa Argentiniens – beschlossen wir, unser nächstes Reisefahrzeug wird ein Allrad-LKW. Die Frage nach dem richtigen Fahrgestell, welches unsere zukünftige Wohnkabine tragen soll, war für uns schnell beantwortet: Es muss auf jeden Fall ein Steyr 12M18 werden! Hellauf begeistert kamen uns nach einigen Recherchen aber schnell die ersten Zweifel, ob dies für uns wirklich das richtige Fahrzeug ist. Wir begannen uns (noch auf der Reise) näher mit der Materie zu beschäftigen und nutzen jedes freie WLAN, um das Internet nach Infos zu durchforsten. Nach einigen gelesenen Berichten, vorallem zu der immer schwieriger werdenden Ersatzteilversorgung und den extrem gestiegenen Preisen für 12M18, rutsche dieses Fahrzeug in unserer Gunst immer weiter ab. Aber was sollten wir uns dann für ein Allradfahrgestell zulegen? Erstmal vertagten wir diese Entscheidung und genossen bis dahin unsere letzten Wochen in Südamerika!

Sommer 2017 – die Suche beginnt:

Wieder daheim in Deutschland durften wir den 12M18 von einem guten Freund probefahren. Nur ein reines Fahrgestell, ohne Kabine und mit 14ner Bereifung. Bereits nach den ersten Kilometern beschlossen wir einstimmig, dass dies definitiv nichts für uns ist. Zu hart, zu ruppig, zu militant, zu teuer und wie bereits erwähnt – mit einer immer schlimmer werdenden Ersatzteilversorgung.
Wir wollen ein Fahrzeug, welches überall auf der Welt präsent ist, mit einer weltumspannenden Ersatzteilversorgung: Da bleibt für uns nur ein Mercedes Benz – aber welches Modell?!
Besondere Sympathiepunkte hat bei uns der Mercedes Benz Kurzhauber. In Brasilien sahen wir viele, geradezu neuwertige dieser Modelle, sogar mit Anderthalbkabine! Leider gibt es diese bei uns nicht oder wenn dann nur sehr sehr selten. Kurzhauber-Wohnmobil in Patagonien:
Eine geräumige Fahrerkabine ist für uns einer der wichtigsten Punkte im Lastenheft. Erstens wissen wir, dass man darin auf Reisen mitunter sehr viel Zeit verbringt. Zweitens möchten wir einen gemütlichen, separaten Schlafplatz für Zora haben und auch eine zusätzliche Kühlbox in Reichweite darf beim nächsten Fahrzeug nicht fehlen. Also eine lange Manschaftskabine abschneiden? Rini baute dazu ein paar Fotomontagen und wir kamen zu dem Ergebnis, dass der schöne Kurzhauber mit dem eckigen Shelter nicht gut aussieht und außerdem die ganze Fuhre mit der Haube auch zu lang werden würde. Wir müssen ja auch ein bisschen an die Verschiffungskosten denken… Also fiel der Hauber auch raus. Was nun?
Mercedes war nun absolut klar – aber was für ein Fahrgestell bleibt mit dem Shelter noch unter der 7,5t-Marke?
Da blieb nur noch die sogenannte „Leichte Klasse“, auch LN2 genannt übrig. Dieses Modell allerdings als Anderthalb-Kabine mit Allrad zu finden ist wie die Nadel im Heuhafen zu suchen. So etwas gibt es schlicht und ergreifend nicht zu einem bezahlbaren Preis. Wir waren uns nach einigen Fotomontagen, stundenlangen Recherchen im Internet und auch nach vielen Telefonaten zu 100% sicher, dass wir einen MB der leichten Klasse haben wollen. Da es keine entsprechenden Fahrgestelle mit der 1,5er-Kabine gab, suchten wir also nach ausgemusterten Feuerwehrfahrzeugen. Diese Fahrzeuge gibt es meistens mit der langen, 9-sitzigen Mannschaftskabine. So eine Kabine abzuschneiden wäre zwar eine etwas größere Operation, aber ich traue mir das zu. Also suchten wir einen 917 AF oder einen 1120 AF. Einige Fahrzeuge standen zum Verkauf – wir sprechen hier immernoch von Sommer 2017… Innerhalb von einer Woche waren alle 5 verkauft und wir blickten uns nur mit großen Augen an. Ach was – da kommt schon wieder eine! Tatsächlich wurde unser Suchauftrag auf mobile belohnt. Ein Feuerwehrhändler aus dem Süddeutschen Raum bot einen 1120 AF an – genau das was wir wollten! Sofort hingen wir am Telefon und sicherten dem Händler zu, dass wir das Fahrzeug gerne hätten und in zwei Tagen vorbeikommen würden. Irgendwie ließ mir das Thema aber keine Ruhe… Wir telefonierten am Abend nochmal mit dem Verkäufer um zu vereinbaren, dass wir schon am nächsten Tag kommen und das Fahrzeug besichtigen würden. Da hören wir, dass er den MB schon anderweitig versprochen hatte und wir garnicht mehr zu kommen brauchen. Oh nein – als hätten wir es geahnt!!! Trotzdem fuhren wir am kommenden Tag 200 km zu dem Händler um uns den 1120 genauer anzusehen. Das Fahrgestell war einfach perfekt – aber er wollte es uns partout nicht verkaufen – versprach uns aber sich sofort zu melden, wenn wieder „so eine Kiste“ rein käme – dies geschah bis heute nicht.
Wir suchten und suchten. In der Wartezeit gruben wir uns noch tiefer in die Materie ein und stellten fest, dass nicht jeder MB 1120 AF für uns in Frage kommt, da die Feuerwehren meist eine sehr kurze Achsübersetzung haben. Die macht die Fahrzeuge zwar sehr „spritzig“, schraubt aber leider auch die Drehzahl des Motors nach oben. Wir suchten weiter – Wochen und Monate vergingen. Dabei beobachteten wir, wie die Preise für die Allrad-Feuerwehren nur eine Richtung kannten – nach oben!

Februar 2018 – endlich tut sich was…

Rinis Bruder Raoul machte uns auf einen MB 1120 AF aufmerksam. Dieser wurde im Internet bei einer Zollauktion durch eine Gemeinde versteigert. Ich ließ mir vom Verkäufer die Fahrgestellnummer durchgeben. Recherchen ergaben, dass dieses Fahrzeug die für uns passende Achsübersetzung hatte. Endlich!! Sofort meldeten wir uns bei der besagten Feuerwehr für einen Besichtigungstermin an. 1000 km hin und zurück mit dem freudigen Ergebnis, dass wir diese Feuerwehr ersteigern wollten! Das ist unser Fahrzeug (dachten wir 😉 )!! Der Zustand war ok und der Anfangspreis absolut im Rahmen.
Am Versteigerungstag saßen wir schon eine halbe Stunde vor Ende der Auktion vor dem Rechner und zählten gespannt die Sekunden… Die Gebote wurden immer mehr und mehr und am Ende verstanden wir erst das System der Zollauktion im Netz: Es gibt da zwar eine „Schlusszeit“, diese verlängert sich aber nach jedem Gebot (welches in den letzen 5 Minuten vor Schluss abgegeben wird) wieder um 5 Minuten. So hat jeder Bieter, ähnlich wie bei einer regulären Auktion, noch Zeit sich zu überlegen, ob er das letzte Gebot überbieten möchte oder nicht. Jedenfalls waren am Ende noch wir und ein weiterer hartnäckiger Interessent übrig. Unsere Nerven lagen blank, noch ein letztes Gebot, die Uhr sprang wieder auf 5 Minuten… Wir nahmen Zora und verließen das Haus – entweder haben wir das Auto wenn wir zurückkommen oder nicht. Als wir wieder nachsahen dann die Gewissheit – der andere hatte uns noch einmal überboten. Also wieder weitersuchen…
In der Zwischenzeit machte mich mein Vater auf einen Fernsehbericht aufmerksam, den wir glücklicherweise nochmal nachstreamen konnten. Darin wurde eine Firma in Berlin gezeigt, die Expeditionsmobile auf Basis alter Behördenfahrzeuge aufbaut. Dort werden lange Feuerwehr-Fahrerhäuser nicht abgeschnitten, sondern es werden einfach ganze Fahrerhäuser getauscht. Moment – da war von einem Zeitaufwand von nur drei Stunden die Rede! Ok – selbst wenn es bei uns 20 Stunden dauern sollte wäre das immer noch weniger Aufwand als eine lange Kabine zu kürzen.  

Eine neue Idee war geboren! Obwohl wir noch nicht einmal eine Feuerwehr hatten, machten wir uns sofort auf die Suche nach einer einzelnen 1,5er-Kabine. Weil – was man hat, hat man 🙂 !

Da gab es eine Kabine in München – allerdings von einem 917. Mist das passt nicht! Der 1120 (auf den wir bereits festgelegt waren) hat einen Ladeluftkühler und dadurch ist der Motortunnel in der Kabine höher. Ne, komm – weitersuchen…

März 2018 – was für ein Zirkus!

Dann ein Angebot fast an der Französischen Grenze: Ein ganzes Fahrzeug – ein 1120 mit 1,5er Fernfahrerkabine und Splitgetriebe! Ein Traum – genau dieses Führerhaus brauchen wir! Allerdings hatte die Kiste einen Motorschaden und war nur bedingt fahrbereit. Ein Transport musste her. Wir machten uns auf die Suche nach einem Tieflader mit einem 40er-Tiefbett – der 1120 war ganze 3,60 m hoch. Leider war keiner zu finden, der uns den Laster nach Hause gebracht hätte. Wir überlegten was wir machen könnten und fuhren kurzerhand mit einer großen Flex, einem Notstromagregat und einem Haufen Tatendrang bewaffnet, wieder 500 km in eine Richtung zu dem Fahrzeug. Den Windabweiser auf dem Dach und den dünnen Blechkoffer wollten wir einfach abschneiden um Höhe zu reduzieren. Ohne diese Aufbauten hätten wir einen Transport organisieren können… Doch als wir vor Ort ankamen traf uns fast der Schlag – das Fahrzeug hatte in der Realität fast nichts mehr mit den Bildern gemeinsam, die wir im Vorfeld bekommen hatten. Randalen hatten die Frontscheibe eingeworfen und überhaupt stimmte da so einiges nicht. Unverrichteter Dinge fuhren wir wieder nach Hause – wieder ein Sonntag im Ar***

April 2018 – auf der Zielgeraden!

Langsam verließ uns der Mut – aber plötzlich ging dann alles sehr schnell. In der Zollauktion war wieder eine Feuerwehr eingestellt worden. Ein MB 1120 AF mit 30‘ km – den mussten wir uns ansehen! Und wo stand das gute Stück? Richtig, wieder 500 km entfernt! Egal – ab ins Auto und Feuerwehr besichtigen. Vor Ort dann einige Schäden, die so nicht in der Auktionsbeschreibung standen… Dies teilten wir dem Verkäufer per E-Mail mit, damit die Auktionsbeschreibung entsprechend angepasst wird. Und was passiert einen Tag später aufgrund unserer Mail? Die Auktion wird gestoppt! Oh nein… das wollten wir doch nicht! Aber da es schon passiert war, nahmen wir den Mut zusammen und unterbreiteten dem Verkäufer ein Angebot zum Sofortkauf des Fahrzeuges. Unser Vorschlag wurde höflich ausgeschlagen, da es für die Auktion bereits Gebote gegeben hatte. Die Auktion wurde drei Tage später mit einer geänderten Beschreibung wieder eingestellt – wenigstens das!

Endlich wurden wir fündig!

5 Tage vor Auktionsende entdeckte ich im Internet ein MB 1120 4×2 Fahrgestell mit 1,5er-Fernfahrerkabine. Rini konnte nicht weg und so bin ich schnell bis hinter München gefahren, um mir den LKW anzusehen. Super netter Verkäufer – aber schwere Verhandlungen. Ich sollte den Aufbau mit einer gigantischen Satellitenschüssel mit dazu kaufen – ich wollte aber nur das Fahrgestell! Schlussendlich wurden wir uns einig. Er baut den Aufbau ab und ich hole nur das Fahrgestell. Klasse! Wir hatten jetzt also eine Fernfahrerkabine im Top-Zustand und noch ein ganzes Ersatzteillager mit dazu 🙂 !
Am letzten Tage der Auktion für die Allrad-Feuerwehr saßen wir wieder 30 Minuten vor Schluss am Rechner. Die sollte uns diesmal keiner wegschnappen! Die Gebote wurden zum Ende hin immer höher und wir stiegen mit ein… einer nach dem anderen gaben sie auf – bis auf einen. Aber auch dem wurde es am Ende zu bunt und so erschien nach Ablauf der längsten 5 Minuten unseres Lebens endlich: Sie sind Höchsbieter – die Auktion ist beendet. Wir lagen uns in den Armen und freuten uns tierisch! 🙂 🙂 🙂 Zwei Wochen später machten wir uns auf nach Marburg um unser neues Reisefahrzeug an der Feuerwache abzuholen. Vielen Dank nochmal für den freundlichen Empfang und die Hilfe vor Ort!
Die Halterung der Schlauchhaspel musste noch abgebaut werden…
Nachtanken auf dem Autobahnparkplatz – der originale Tank fasst nämlich nur 80 Liter 😉
Zora ist natürlich auch mit dabei!
Juhuuu – fast geschafft!

Endlich – nach einem ganzen Jahr Suche – haben wir unser Traum-Fahrgestell auf dem Hof stehen. Und die passende Hütte noch dazu 🙂

Jetzt sind wir voller Tatandrang und freuen uns auf den Umbau. Die Felgen für die Umrüstung auf Einzelbereifung haben wir auch schon auf Lager – jetzt muss das Ganze „nur noch“ zusammengebastelt werden 😉 Wir hoffen ihr bleibt mit dabei!!