Schon vor unserer Langzeitreise entlang der Panamericana haben wir uns ausgiebig mit Fotografie und Bildbearbeitung beschäftigt.

Beim Zusammenstellen der Fotoausrüstung für die PanAm haben wir versucht, für jedwede Situation ansatzweise gerüstet zu sein. Wirklich auf alles vorbereitet zu sein klappt natürlich nie – außer man ist dazu bereit, bei jeder Art der Witterung, bei jeder Art der Tätigkeit und bei jeder Sicherheitslage mehrere Kilogramm schweres und mehrere tausend Euro teures Equipment mit sich rumzuschleppen, bzw. umherzufahren.

Das kam für uns nicht in Frage weil 1. unvernünftig und 2. hätte es auch eindeutig unser Reisebudget gesprengt, eine solch umfangreiche und leistungsstarke Ausrüstung zu erwerben. Muss aber garnicht unbedingt sein, denn fast für jeden Geldbeutel gibt es heutzutage schon eine anständige DSLR- oder DSML-Kamera zu erwerben. Die Möglichkeiten, die eine solche Kamera mit sich bringt, sind vielfältig und bieten bereits goßen Freiraum sich kreativ auszuleben.

Wer aber noch mehr aus seinen Bildern rausholen und das komplette Potential der Daten aus seiner Digitalen-Super-Kamera (so nenne ich im folgenden Artikel zusammenfassend alle digitalen Kameras, die unbearbeitetes Rohmaterial ausgeben können) ausnützen möchte, kommt an der digitalen Bildbearbeitung, bzw. Bildanpassung kaum vorbei.

Auch bei den zahlreichen Lagerfeuer-Abenden, die man unterwegs mit anderen Overlandern verbringt, kommt das Thema „Fotografieren auf Reisen“ immer gerne auf. Dabei gibt es die unterschiedlichsten Arten der Ausrüstung und die verschiedensten Ansprüche an die Ergebnisse. Die einen machen schnelle Schnappschüsse ihrer Abenteuer, die anderen planen ganze Tagesabläufe nur danach, an einem bestimmten Ort das eine perfekte Foto in den Kasten zu bekommen. Zu welchem Typ man auch gehört, eines haben alle gemeinsam: Jeder möchte gerne die wertvollen und einmaligen Erinnerungen festhalten, konservieren und teilen.

Spätestens bei den ambitionierteren, ehrgeizigeren und anspruchsvolleren Knipsern ergibt sich aber irgendwann immer dieser eine Wortwechsel: Zur Einleitung folgender Satz: „Schöne Fotos übrigens auf eurer Website…“ – Juhuuu, Lob macht immer Spaß und spornt an, wir gehören ja auch zu den Ehrgeizigen, gefolgt von der Frage – „… aber – bearbeitet ihr die Bilder eigentlich irgendwie nach??“. Upps – da ist er wieder – dieser Tonfall. Hört sich an wie eine Fangfrage, als ob man gleich in die Falle tappen würde. Und diese Frage kommt (fast) immer von jemandem, der selbst mit einer fetten Spiegelreflexkamera herumhantiert! Was also antworten? Sich offenbaren als heimtückischer Nachbearbeiter, der gefakte Bilder im Internet präsentiert? Sollen wir wirklich öffentlich bekennen und uns als „Photoshopper“ outen?! Genug überlegt – Ja natürlich, wir bearbeiten unsere Bilder nach! Geschafft – jetzt ist es raus 🙂

Es gibt genügend gute Gründe, die für die Nachbearbeitung digitaler Bilddaten sprechen – sie sogar zu einem Muss machen.

Achtung – bei unten genannten Punkten geht es natürlich nur um Bilddaten, die mit einer Digitalen-Super-Kamera gemacht wurden. Wer mit den Schnappschüsse aus einer herkömmlichen Kamera, dem Handy, oder was auch immer glücklich ist, den möchten wir natürlich nicht bekehren. Es ist immer eine Frage des eigenen Anspruchs und Geschmacks.

1. Verschenktes Potential

Wer mit einer hochwertigen Digitalkamera fotografiert, die unbearbeitete und rohe Bilddaten ausspucken kann, der verschenkt wertvolles Potential wenn er die Daten nicht bearbeitet. Im Gegensatz zu den gängigen Standard-Digicams, die die geschossenen Bilder bereits von der bordeigenen Software bearbeiten lassen (z.B. Schärfe, Kontraste, Sättigung…), noch bevor sie der Hobbyfotograf auf dem Display überhaupt zu Gesicht bekommt, lassen sich bei den hochwertigeren Exemplaren „jungfräuliche“ Daten ausgeben. Das ist vielleicht nicht jedem bewusst, aber diese Daten besitzen im Hintergrund noch unzählige Informationen (die man den rohen Bildern garnicht ansieht), die erst durch die digitale Nachbearbeitung zu erstaunlichen Ergebnissen führen können.

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Im Grunde ist ja schon das Entwickeln der RAW-Daten eine gewissen Art der Bearbeitung, da bereits hierbei Dynamik, Kontraste, Sättigung, Schärfe usw. nach Belieben angepasst werden können. Allerdings muss man nicht unbedingt im RAW-Format fotografieren um einen großen Handlungs-Spielraum zu haben, auch die (natürlich bereits komprimierten und dadurch nicht mehr ganz so leistungsfähigen) JPEG-Daten lassen sich noch prima nachjustieren. Das ist natürlich nicht ganz professionell und verschenkt wieder wertvolles Potential – ich weiß – aber bei den vielen Bildern, die sich anhäufen wenn man zwei Jahre unterwegs ist, war es für uns anders nicht zu handeln.

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Wer erst anfängt, mit einer Digitalen-Super-Kamera zu fotografieren, ist unter Umständen von den „rohen Ergebnissen“ sogar enttäuscht und wünscht sich seine alte Knipse zurück, die immer sofort so schön scharfe, knackige und kontrastreiche Bilder geliefert hat. Natürlich lassen sich solche internen Bearbeitungsschritte auch bei den Digitalen-Super-Kameras auswählen, das ist aber nicht unbedingt ratsam, rauben sie doch im Vorfeld bereits einige der Möglichkeiten, die man bei der späteren Nachbearbeitung ansonsten noch hätte.

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2. Ausgleichen von Bildfehlern

Ist man auf Reisen, lernt man die Begebenheiten so zu nehmen wie sie sind. Mal ist das Wetter gut – mal nicht. Mal hat man Gegenlicht, obwohl man es für das gewünschte Motiv aus der anderen Richtung gebraucht hätte und so weiter. Kann man alles nicht immer beeinflussen und macht dann eben das Beste aus der jeweiligen Situation. Was für ein Glück, dass einem die digitale Nachbearbeitung der Erinnerungsfotos auch hier weiterhelfen kann! Dank der bereits oben erwähnten, im Hintergrund gespeicherten Informationen zu den Bilddaten, lässt sich auch aus – auf den ersten Blick – „missglückten“ Fotos oft noch Erstaunliches rausholen, bzw. reparieren. Extrem dunkle Bildstellen bekommen plötzlich Struktur, ausgebrochene Himmel können (bedingt) zurückgeholt werden, leicht unscharfe Motive lassen sich extrem gut nachschärfen. Das macht einfach Spaß und rettet die ein oder andere wichtig digitale Erinnerung.

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3. Stimmung anpassen & Fokus setzen

Reisefotos erzählen Geschichten, wecken Sehnsüchte und transportieren Stimmungen. Kannst du dich an einen Ort erinnern, an dem du etwas ganz Besonderes empfunden hast? Hast du vielleicht auch versucht, dieses Besondere einzufangen und festzuhalten um es dann mit anderen teilen zu können? Warst du dann aber oft enttäuscht von dem Ergebnis der zusammengesetzten Pixel und hast dort von dem Gefühl und der Stimmung deines magischen Moments nur noch wenig finden können? Das ist vollkommen normal. Es ist so vieles, was einen speziellen persönlichen Moment ausmachen kann. Sei es eine Lichtstimmung, eine spezielle Farbe, ein Geruch, ein Geräusch oder nur eine Erinnerung, die man mit einem Ort verbindet.

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Das alles lässt sich eben nicht so einfach und vor allem nicht immer spontan auf einem Foto einfangen. Mit der digitalen Bildbearbeitung lassen sich allerdings Stimmungen auch noch nachträglich aufs Motiv übertragen. Ob du dazu einen Fotofilter, Lichtreflexe, Farbanpassungen oder was auch immer verwendest spielt keine Rolle. Auch ob du das „originale Foto“ damit verfälschst ist hier egal. Einige Fotos sind nicht dazu da zu dokumentieren, nein – sie sollen den Betrachter das fühlen lassen, was man selbst empfunden hat. Die Möglichkeiten hierbei sind extrem vielfältig und das Ausprobieren macht eine Menge Spaß. Wenn interessiert es dann noch, ob dein Foto „gephotoshopt“ ist oder nicht, wenn es schafft, eine Geschichte zu erzählen?

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Neben den gängigen Bildverwaltungs- und Bearbeitungsprogrammen wie Adobe Photoshop und Adobe Lightroom, die mittlerweile leider nur noch über eine Abo-Option erworben werden können, gibt es noch ein wirklich tolles und kostenloses Plugin zur Bildbearbeitung für Photoshop. Das Plug-In heißt Nik Collection, war einst für professionelle Fotografen konzipiert und kostete nicht gerade wenig. Allerdings wurde das Produkt von Google aufgekauft und kann jetzt gratis heruntergeladen werden. Jeder, der irgendeine Version von Photoshop auf dem Rechner hat kann sich die Nik Collection umsonst herunterladen und als Add-on installieren. Eine echt tolle Sache!

Bearbeitet ihr eure digitalen Reisefotos und wenn ja – womit arbeitet ihr am liebsten? Was sind eure Beweggründe für oder gegen die digitale Bildbearbeitung? Wir freuen uns auf eure Meinungen und Erfahrungen zu diesem polarisierenden Thema.

4 Kommentare

  1. Wenn mit RAW-Dateien gearbeitet wird sicherlich ok – aber ansonsten bin ich der Meinung, dass ein Foto das wiedergeben soll, was sich dem Betrachter eröffnet hat. Wenn das Wetter halt schlecht ist, dann ist das halt so, gibt dann evtl. kein optimales Bild. Muß aber meiner Meinung nach auch nicht sein. Das soll aber jeder halten, wie er will. Ich/wir bearbeiten unsere Bilder jedenfalls nicht.

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    • Hallo Josef und vielen Dank für deinen Beitrag! Ich bin ganz deiner Meinung. Nur erfasst die Kameralinse eben nur unter optimalen Bedingungen auch nur annähernd das, was das menschliche Auge wahrnimmt… In vielen Situationen gelangt man erst durch die Nachbearbeitung zu dem Motiv, wie man es erlebt, gesehen und in Erinnerung hat. So zumindest unsere Erfahrung und Wahrnehmung. Das mit dem Wetter sehe ich allerdings anders – „schlechtes Wetter“ sorgt oft für die besten Motive und nachträglich wegretuschieren lässt es sich ja soweiso nicht 🙂 Und klar, jeder soll das halten wie er will – wir freuen uns über jede Stimme zu diesem Thema. Liebe Grüße, Marina & Rico

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  2. Hallo
    Ich bin Deiner Meinung!! Viele Leute sind sich nicht bewusst, dass jede Kamera eine Standardentwicklung auf .jpg Bildern anwendet. Das mache ich dann lieber selber und kann so besser auf das jeweilige Rohfoto eingehen während die automatischen Entwicklungen halt nicht immer optimale Resultate erzeugen.
    Oft fotografiere ich bewusst zu dunkel um eine schnelle Belichtung ohne hohe ISO zu erhalten. Ich weiss ja, dass ich im Lightroom sicher 2-3 Blenden aufhellen kann ohne grosse Verluste. Auch starke Kontraste (hell/dunkel Stellen) lassen sich im Nachhinein super verbessern.
    Man muss halt aufpassen, dass man nicht übertreibt, sonst sieht es halt dann sehr künstlich aus.
    LG, Ueli

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    • Hallo Ueli, vielen Dank für deinen Beitrag. Wir finden es auch immer wieder faszinierend, was sich aus den digitalen Bilddaten noch so alles herausholen lässt… hat man einmal damit angefangen die Fotos zu optimieren, dann wird man immer ergeiziger. Aber wie du sagst: Man muss aufpassen, dass man es nicht übertreibt. Obwohl einige Leute gerade auf diesen leicht überzeichneten Effekt setzen, ihn sogar zu einer Art „Markenzeichen“ machen. Das ist dann einfach Geschmackssache 🙂 Liebe Grüße! Marina & Rico

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