Von der DAKAR fuhren wir weiter gen Westen.

Von der „Dakar“ fuhren wir wieder gen Westen. Es ging über hügeliges Land und plötzlich waren in der Ferne die gigantisch hoch aufragenden Anden mit ihren schneebedeckten Gipfeln zu sehen. Ein wunderschöner Anblick! Wir fanden einen herrlichen Stellplatz an einem Seeufer und am nächsten Tag trafen wir uns dann mit unserem Reisefreund Hans, der uns vor nun fast zwei Jahren in Halifax vom Flughafen abgeholt hatte.

Eine riesige Freude Hans nach so langer Zeit wieder zu treffen! Hans besitzt die Hälfte einer großen Estancia in der Nähe von Mendoza und so nahm er uns mit zur Familie seines Partners. Wir freuten uns sehr, durften wir doch endlich mal hinter so ein geheimnisvolles  „Einfahrtstor“ zu so einem gewaltigen Anwesen schauen. Und was soll ich sagen – wir waren in einem kleinen Paradies gelandet. Im Garten grasten Pferde, 12 Hunde tollten umher und es war unendlich friedlich und idyllisch. Die beiden Gauchos, die auf der Farm arbeiten, hatten einige Rinder zusammengetrieben, die an diesem Tag eine Impfung bekamen. Sie waren mit einem toten Tier in Berührung gekommen, welches an einer ansteckenden Krankheit verendet war. Gleichzeitig bekamen noch einige Rinder ein Brandzeichen. Knochenharte Arbeit bei brütender Hitze.

Das anschließende Asado im schattigen Garten war der absolute Hammer – ich glaube es war das beste Fleisch, das ich je gegessen habe. Gustavo zeigte uns dann noch einen „Versuch“ – er hat auf einem Osthang 70 Weinreben angepflanzt um zu sehen, ob es in einer Höhe von über 2100 m noch möglich ist Wein anzubauen. Mehr als die hälfte der Weinstöcke war aufgegangen. Sollte es klappen, dann wäre dies der höchstgelegene Weinanbau in Argentinien. Die Gastfreundschaft von Gusavo und seiner Familie war unbeschreiblich.

Vielen Dank nochmal für diesen herrlichen Tag an Hans & Gustavo mit Familie!

Wir zogen weiter, auf kleinen Nebenstraßen Richtung Norden. Es ging an gewaltigen Weinanbaugebieten vorbei, die Andenkette immer schön auf der linken Seite. Kilometer um Kilometer rollten wir durch abwechslungsreiche Landschaft. An einem Abend machte ich einen Ölwechsel und war wieder einmal froh ein Ölablassventil montiert zu haben – keine Sauerei mit dem Altöl!

Der letzte Ölwechsel auf diesem Kontinent 🙂

Wir entschieden uns nicht über die „68“ nach Salta zu fahren, sondern über die alte unbefestigte „Routa 40“. Die Routa 40 war eh schon lange Zeit unser Begleiter – also wollten wir das letzte Stück auch noch erkunden. Nach wenigen Kilometern kamen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus, die Landschaft änderte sich schlagartig und gewaltige Felszacken säumten die Straße. Wir fanden herrliche Nachtplätze und genossen bei milden Temperaturen wunderschöne Lagerfeuer-Abende.

Es hatte die letzten Wochen in diesem Gebiet wohl sehr viel geregnet und so waren große Teile der Piste häufig noch unter Wasser. Für uns überhaupt kein Problem. Wir staunten jedoch nicht schlecht, als uns eines Morgens ein ausgewachsenes Hymer-Wohnmobil entgegenkam – mit einer alleinreisenden Österreichischen Dame in den 70ern am Steuerrad. Sie fragte nach dem weiteren Verlauf der Piste und meinte, dass sie vor den Schlammlöchern immer ein paar Stunden warte, bis diese etwas abgetrocknet wären … Respekt für so viel Mut & Abenteuerlust!

Kurz vor Salta ging es noch einmal richtig stramm bergauf und über einen 3800 m hohen Pass. Nebel und Nieselregen erschwerten  das vorankommen. Als wir in Salta einrollten zeigte das Thermometer wieder über 30 Grad. Am Municipal Campground nisteten wir uns ein und hatten tolle Abende mit anderen Reisenden.

Uns zog es wieder in die Berge – in die Anden – und so machten wir uns auf nach Westen – fast bis an die Chilenische Grenze. Es ging nach „Tolar Grande“. Schotter und Wellblech bremsten das Vorankommen erheblich aus – aber die Landschaft entschädigte für alles! Recht schnell ging es wieder bis auf 4500 m Höhe. Vor dem Pass übernachteten wir auf 3900 m und mir ging es nachts richtig beschissen. Rini machte die Höhe diesmal garnichts aus, sie schlummerte friedlich die ganze Nacht hindurch.

Am nächsten Tag wollte die „Desierto del Diablo“ durchquert werden. Eine traumhaft unwirkliche Landschaft wie auf einem anderen Planeten. An den kristallblauen „Ojos de Mar“ mussten wir sofort wieder an den Yellowstone NP denken.

Eigentlich wollten wir das Gebiet Richtung Norden verlassen. 80 Kilometer über eine sehr wenig befahrene Piste durch zwei Salzpfannen. Unser Bauchgefühl ließ uns aber nach nur wenigen Kilometern umkehren. Zu unsicher erschien es uns auf so einsamer und durchgeweichter Piste stecken zu bleiben nach den heftigen Regenfällen der letzten Wochen. Wir drehten also um und landeten wieder in Salta auf dem Camping. Fünf Tage blieben wir diesmal in der weitläufigen Anlage – wir machten zwar immer drei Kreuze, wenn am Abend endlich „Badeschluss“ war (der Camping ist gleichzeitig auch ein öffentliches Freibad) – denn dann verschwanden die Tagesgäste und es kehrte Ruhe ein. Die Argentinier haben nämlich überhaupt kein Gespür für Lautstärke wie es scheint. Jeder dreht sein Radio auf, obwohl der Nachbar eh schon alles beschallt.

Am zweiten Tag saßen wir neben unserem Auto als ich eine kleine Pfütze unter dem Motor entdeckte … „Was ist das denn?“ … Ich lag natürlich sofort unter unserem treuen Iveco um nachzusehen was ihm fehlt! Am vorderen Differenzial hing ein Tropfen. Nach einer genauen Tast- und Geschmacksuntersuchung war sofort klar, dass es sich um Kühlwasser handeln musste. Kurze Zeit später war der Übeltäter gefunden – das Heizungsventil war undicht. Natürlich hatten wir dies als Ersatzteil dabei und so machte ich mich an die Arbeit. Wärmetauscher raus und Ventil ersetzten. Eine Kleinigkeit! Da ich eh schon die alten Klamotten anhatte stellte ich noch die Radlager vorn etwas nach. Als diese Arbeit beendet war sah ich schon wieder Kühlwasser! Das NEUE original Iveco Heizungsventil tropfte am Hebel. Auch mehrmaliges betätigen brachte keine Besserung. Ich schloss die Schläuche dann einfach kurz. Jetzt haben wir zwar keine Heizung mehr, was angesichts von täglich über 30 Grad auch nicht soooo wichtig ist. Neuer Wärmetauscher samt Heizungsventil liegt ja in Deutschland schon zum Einbau bereit 🙂

Dann erreichte uns eine Nachricht von anderen Reisenden aus Paraguay, mit denen wir uns unbedingt noch treffen wollten. Also machten wir uns auf den Weg. Es ging einfach nur gerade aus – und zwar fast 1200 Kilometer lang. Was gab es unterwegs zu sehen? Nichts! absolut nichts! Die Straße, daneben je 20 m Gras oder Schotter und dann undurchdringliches Gestrüpp. So ging das die ganze Zeit. Nach drei Tagen Fahrerei übernachteten wir kurz vor der Grenze zu Paraguay.

Was am Grenzübergang passiert ist und was wir alles in Paraguay erlebten, das gibt es im nächsten Bericht! Schön, dass ihr immer noch dabei seid!

Fazit Argentinien:

Argentinien ist groß, Argentinien ist so unvorstellbar groß, dass man für die einzelnen Gebiete viel mehr Zeit aufwenden müsste, als wir es konnten. Igendwie sind wir mit dem Land nicht so richtig warm geworden. Lag es an den weiten Distanzen, die wir uns zugemutet haben? Lag es daran, dass wir in Valdes keine Wale zu Gesicht bekamen? Wir wissen es nicht… Fakt ist aber, Argentinien ist landschaftlich unvorstellbar reizvoll und auch die Tierwelt hat einiges zu bieten. Argentinien ist ein teures Reiseland, der Diesel ist im Süden subventioniert und somit erheblich günstiger als im Norden (Nord-Südgrenze ist grob auf der Höhe Bariloche / Valdes).

 

  • gefahrene Strecke: 4.111 km
  • Schäden bzw. Verschleißteile:
    Heizungsventil undicht und das neue Ersatzteil nach 2 Stunden auch!
  • Verluste: keine
  • Plattfüße: keinen
  • Ausrüstungs TOPP :
    Ölablassventil – keine Sauerei mit Altöl!

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