Bis zur Grenze waren es am Morgen nur noch fünf Kilometer.

Drei Zöllner nahmen uns das TIP ab und wir durften weiter zum Ausreise-Office fahren. Am Schalter gaben wir die Pässe ab und warteten. Der argentinische Beamte blätterte unsere Dokumente durch und meinte es dauere noch einen kurzen Moment. Er blätterte die beiden Pässe erneut von vorne bis hinten durch. Dann ging er damit zu einem anderen Beamten – wohl sein Vorgesetzter – der weiter hinten im Büro saß und gab ihm unsere Pässe. Auch er blätterte von vorne bis hinten, von oben nach unten, zuckte ratlos mit den Schultern und bedeutete uns dann zu ihm nach hinten zu kommen. Wir hatten jeweils drei ??? über dem Kopf und wussten gar nicht was los war. Dann erfuhren wir woran sich die Beamten störten: Wir waren illegal in Argentinien – wir hatten nämlich keinen Einreisestempel im Dokument! Das konnte nicht sein – wir schauen da immer ganz genau drauf und Rini meinte auch sofort, dass wir sehr wohl Stempel hätten. Also blätterten wir selbst in unseren Pässen und fanden dann jeweils auf der allerersten Seite den gesuchten Stempel. Er schüttelte nur den Kopf und sagte, dass der Stempel da aber nicht hingehöre. Können wir da was dafür, wenn sein Kollege 3000 km weiter im Süden nicht weiß, wo der Kollege im Norden den Stempel im Pass haben möchte? Naja – wir durften aus Argentinien – mit Ausreisestempel – ausreisen. Die Einreise nach Paraguay ging recht flott und das TIP war auch schnell ausgestellt. Während ich die Fahrzeugeinfuhr erledigte ging Rini mit Zora am Zollhof spazieren – es war wieder brutal heiß. Zora interessierte keinen.

Unser erster Anlaufpunkt in Paraguay war „Hasta la Pasta“ – ein Hotel / Restaurant / Camp von Schweizern (wie soll es auch anders sein). Ein herrliches Fleckchen Erde mit Pool und mehreren Feuerstellen. Und der Hammer war, dass wir dort Sonja und Benno trafen. Wir hatten während der letzten Zeit schon einige Male Mailkontakt und in La Paz / Bolivien hatten wir uns um nur einen Tag verpasst. Vor ca. zehn Jahren waren Benno und ich zusammen mit zwei anderen Freunden in Libyen unterwegs. Seitdem hatten wir uns nicht mehr gesehen. Es gab viel zu erzählen. Rene, der Besitzer von „Hasta la Pasta“, besitzt eine kleine Nudelfabrikation und macht die beste Pasta der Welt! Chilinudeln – der absolute Hammer. Wir blieben eine Woche, dann zog es uns weiter.

Wir hatten noch ein paar Verabredungen … Rini schrieb aus einer spontanen Eingebung heraus den Leuten, die vor drei Jahren Betty adoptiert hatten (siehe erster Bericht – Testfahrt Albanien & Griechenland). Diese erzählten uns damals, dass sie in Paraguay ein Grundstück gekauft hätten und irgendwann dorthin auswandern wollen. Rini schrieb also den beiden und die Antwort, die gleich darauf eintrudelte, hat uns fast umgehauen. Sie säßen in Deutschland schon auf gepackten Koffern und in drei Tagen ginge es nach Paraguay – für immer und zusammen mit Betty. Das konnte doch nicht sein – sollten wir tatsächlich den Hund, den wir vor fast drei Jahren in Griechenland gerettet haben, in Südamerika wiedersehen?

Wir fuhren also langsam Richtung Süden, vorbei an alten Missionen und unendlich weitläufigen Ackerflächen. Es war brütend heiß und abends kamen die Mücken. Für Unternehmungen hatten wir keine Lust. In „Obligado“ war es dann tatsächlich soweit – wir trafen Betty wieder. Es war ein sehr emotionaler Moment. Die frisch gebackenen Auswanderer wohnten übergangsweise bei Freunden und wir wurden einfach mit eingeladen. Am nächsten Tag wollten wir noch gemeinsam ihr Grundstück besichtigen und auch das Nachbargrundstück, welches gerade zum Verkauf stand mit einem kleinen Häuschen darauf. Der Makler kam anderthalb Stunden zu spät und dann hatte er noch den Schlüssel für das Haus vergessen. Beim Nachbarn besorgte er eine Leiter, damit man wenigstens durch ein Fenster ins Haus schauen konnte… Paraguay halt 😉 Später erfuhren wir, dass unsere Bekannten das renovierungsbedürftige Häuschen gekauft haben und sich so erstmal einen Neubau ersparen. Wir verabschiedeten uns und wünschen alles alles gute für die Zukunft!

2014 – Betty in Griechenland, dem Tode näher als dem Leben

2017 – Betty in Paraguay, gehegt und gepflegt von ihren tollen Adoptiveltern Gaby & Martin

160 Kilometer weiter Richtung „Ciudad del Este“ hatten wir die nächste Verabredung: Vor Jahren hatte ich in Deutschland Kunden, die mir erzählten, dass sie in Paraguay leben. Wir tauschen E-Mail Adressen und sie meinten, wenn ich mal in der Gegend wäre, dann solle ich „auf ein Bier“ vorbei kommen. Wir schrieben den beiden bereits von Argentinien aus und das Angebot „auf ein Bier“ stand noch :-). In der letzten Nachricht die wir bekamen stand nur: Anfahrt bei Regen problematisch… Die letzten Kilometer ging es über eine Lehmpiste, die man bei Regen nicht wirklich fahren will. Es war zum Glück trocken und so besuchten wir Maren und Michael auf ihrer Farm. Es war ein wunderschöner Abend und wir durften sogar im Gästehaus schlafen – seit ewigen Zeiten mal wieder ein richtiges Bett! Wir erfuhren viel über die Anfänge auf der Farm und sahen Bilder, als das ganze Land nur aus Urwald bestand. Unglaublich, wieviel Schweiß da geflossen sein muss. Soja ist hier die Pflanze um die es sich dreht. Der Boden gehört zu den fruchtbarsten der Welt. 15 Meter tief ist die Humusschicht. Sehr gerne wären wir noch länger geblieben – aber wir hatten bereits eine Unterkunft in „Foz do Iguacu“ gebucht. Vielen Dank nochmal für eure Gastfreundschaft – wir sehen uns!

Also verabschiedeten wir uns und fuhren Richtung Brasilien. Immer diese Abschiede – Reisen besteht doch immer auch aus Abschied nehmen. Immer muss man sich von irgendwas verabschieden – von netten Leuten und fantastischen Landschaften aber auch von Vorurteilen und gewissen Vorstellungen. In Paraguay füllten wir nochmals alle Dieseltanks und dann ging es durch eine chaotische Stadt und einen chaotischen Grenzübergang nach Brasilien. Zora war wieder überhaupt kein Problem.

Über AirBnB hatten wir eine Unterkunft mit Klimaanlage gebucht, damit wir Zora tagsüber in der Unterkunft lassen konnten. Wir hatten die kommenden Tage viel vor. Es galt die weltbekannten „Iguazú-Wasserfälle“ zu besichtigen – und zwar von beiden Seiten. Was das heißt? Wir mussten nochmal nach Argentinien einreisen um die Fälle von der argentinischen Seite zu sehen. Also machten wir uns sehr früh auf den Weg (ohne Zora, wegen dem Grenzübertritt und weil Hunde im Nationalpark nicht erlaubt sind). Die Brasilianer und Argentinier haben es bis heute tatsächlich nicht geschafft, sowas wie einen „kleinen Grenzverkehr“ zu praktizieren, damit man einfach zu den Wasserfällen fahren kann (übrigens gibt es das zwischen Paraguay und Brasilien). Wir mussten uns also anstellen, aus Brasilien ausreisen (mit Ausreisestempel) und nach Argentinien einreisen (mit Einreisestempel) – das brasilianische TIP haben wir NICHT gecancelt und in Argentinien haben wir KEIN TIP ausstellen lassen. Wir hatten ja auch keine Zeit 😉 Obwohl wir recht zeitig ankamen, waren bereits Massen an Leuten unterwegs. Wir liefen zu den Aussichtsterrassen und staunten über dieses Naturwunder. Es war brütend heiß und unbeschreiblich schön! Siehe Bilder! Auf dem Rückweg fragte an der Grenze keiner nach einem TIP. Nach ca. fünf Stunden waren wir wieder bei Zora in der klimatisierten Unterkunft.

Am nächsten Tag besichtigten wir einen der größten Vogelparks in Südamerika. Die Volieren sind so groß, dass man teilweise sogar durch sie hindurchlaufen kann. Wir finden, der Park ist ein absolutes „Must see“ in Brasilien – die Kameras liefen heiß an diesem Tag 😉

Der nächste Tagesausflug führte uns auf die brasilianische Seite der Iguazú-Wasserfälle. Uns empfing eine deutlich bessere Organisation als auf der argentinischen Seite. Alles perfekt beschildert, funktionierende Kassenautomaten und Shuttelbusse zu den Aussichtsterrassen. Die brasilianische Seite der Wasserfälle hat uns dann echt umgehauen – wir standen fast unter den tosenden Wassermassen – ein unglaubliches Erlebnis!

Nach drei Tagen, vollgepackt mit Ausflügen, zog es uns wieder an die Küste. Die Straße, die wir uns aussuchten, war wohl die schlimmste Asphaltstraße der ganzen Reise – sie bestand nur aus geflickten Löchern – und das auch noch schlecht gemacht. Bevor wir jedoch an die Küste kamen, besuchten wir noch die kleine Stadt „Pomerode“ und gönnten uns zwei Bier für knapp 12€ am Hauptplatz, der recht „deutsch“ geprägten Kleinstadt. In Pomerode leben viele deutschsprachige Auswanderer und wir bekamen ganz oft den erhobenen Daumen zu sehen, wenn sie unser Kennzeichen erkannten 🙂 Durch die nahegelegt Stadt „Blumenau“ fuhren wir nur durch – es war ja nicht die Zeit für das zweitgrößte Oktoberfest der Welt, welches dort jährlich stattfindet.

Die Küste empfing uns mit Betonburgen – wir suchten fluchtartig das Weite und fanden einen Surferstrand, an dem wir Abends ganz allein waren. Keine Mücken, schöne Lagerfeuer und herrliche Sonnenuntergänge – Travelerherz was willst du mehr? Seit wir in Brasilien unterwegs waren, begegneten uns immer wieder genial aussehende Geländewägen: TROLLER – eine Marke die wir nicht kannten. Unter der Regie von Ford entstehen seit Anfang der 2000er in Brasilien diese GFK (glasfaserverstärkter Kunststoff) Offroader. Mit Leiterrahmen, Starrachsen vorn und hinten, kurzen knackigen Überhängen und einer richtig schönen Innenausstattung. Aber leider nicht für den EU-Markt.

Wir fuhren an der Küste weiter und fanden immer wieder herrliche Stellplätze direkt am Ozean. Ich wechselte ein letztes Mal die Hinterräder von rechts nach links und von links nach rechts und dann bogen wir nach einer kurzen Fährfahrt bei „Rio Grande“ auf den Strand ab – 200 Kilometer lagen vor uns. Auf einem dünnen Landstreifen immer am Strand entlang. Der Sand war trocken und tragfähig, ab und zu mussten ein paar kleine Süßwasserbäche, die sich ins Meer ergossen, durchquert werden. Am Ende des Landstreifens angekommen, fanden wir einen kleinen Campingplatz und zu unserer großen Überraschung und Freude stand da tatsächlich der Scania von Irene und Simon. Wir hatten nichts abgemacht und uns auch schon einige Zeit gegenseitig keinen Standort mehr gesendet – so ein Zufall!

Wie es sich anfühlt, kilometerweit über den einsamen, weißen Sandstrand zu brettern? Seht selbst!

Wir erfuhren, dass sich unser Schiff (zur Rückverschiffung vom Iveco) schon wieder nach hinten verschoben hatte. Langsam wurde es eng mit den Flügen – die waren ja auch schon lange gebucht! Also fragten wir unseren Agenten, ob wir auf ein Schiff früher gehen könnten, die kurzfristige Umbuchung war zum Glück überhaupt kein Problem. Zwei Tage später überquerten wir die Grenze nach Uruguay – Zora war wieder nicht von Interesse. Wir waren also eingereist im letzten Land auf dieser Reise. Wir hatten nicht mehr viel vor und fuhren ganz gemütlich in ein paar Tagen nach „Paraiso Suizo“ – Schweizer die einen Stellplatz betreiben, auf dem sich so alles trifft, was hier in Uruguay in Südamerika ankommt oder von hier Südamerika wieder verlässt. Wir trafen viele alte Bekannte von unterwegs und auch viele neue Gesichter. Es waren herrliche Tage.

Über Montevideo, wo wir bei der Verschiffungsagentur die Hafengebühren bezahlten und unsere Papiere abgaben, fuhren wir zu der kleinen und schummrigen Hafenstadt „Colonia del Sacramento“. Direkt an der Stadtmauer konnten wir auf einer Rasenfläche stehen und in Ruhe das kleine Städtchen besichtigen.

Auf halbem Weg zurück nach Montevideo lag dann – wie soll es anders sein – das Hotel „Granja Suizo“ mit einer schönen Wiese zum Campen. Andere Overlander waren auch da um ihre Autos für die Verschiffung fertig zu machen oder hier einzulagern. Bei uns war es jetzt auch nicht mehr weiter aufzuschieben – wir mussten anfangen unseren Iveco für die Heimreise zu präparieren …

ACHTUNG: Das ist nicht unser letzter Bericht! Einen solchen wird es sowieso nicht geben, denn wir machen weiter. Vorerst nicht mit Reisen, aber mit einem neuen Fahrzeugprojekt, von dem wir bald berichten werden … Es bleibt also spannend 🙂

Fazit unserer letzten Etappe:

Auf Grund der wenigen verbleibenden Zeit konnten wir die letzten drei Länder Paraguay, Brasilien und Uruguay nicht so ausgiebig erkunden, wie sie es sicherlich verdient hätten. In Paraguay hatten wir sehr viele interessante und kurzweilige Begegnungen. Das Land selbst erlebten wir als sehr grün, fruchtbar, heiß und unkompliziert. Die Menschen waren freundlich und wir hatten das Gefühl, dass die Hälfte der Bevölkerung uns heimlich versteht, wenn wir uns auf deutsch unterhalten 🙂 Brasilien tangierten wir nur im äußersten Süden, so dass wir uns über dieses riesige Land eigentlich kein Urteil bilden können. Wir sahen hauptsächlich Sand und Meer, Feriendomizile, sonnenbadende Einheimische und Surferboys. Uruguay ist mehr oder weniger europäisch (zumindest die dichter besiedlte Küstenregion), das Leben hier ist angenehm, unkompliziert und vor allem teuer (Diesel 1,40 €). Generell haben wir das Gefühl, dass die Lebenshaltungskosten in Uruguay höher sind als in Deutschland.

 

  • gefahrene Strecke: 3.889 km
  • Schäden bzw. Verschleißteile:
    iPad-Halterung für 10 € nach zwei Jahren gebrochen
  • Verluste: keine
  • Plattfüße: 1 (Reserverad)
  • Ausrüstungs TOPP :
    Campingstühle von CRESPO – sind nach zwei Jahren in Gebrauch noch immer fast wie neu!

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