Durch heftigen Verkehr schleppten wir uns bis zum Hafen von Victoria (Kanada), wo die Fähre nach Port Angeles (USA) ablegte.

Die US-Abfertigung erfolgte bereits auf Vancouver Island. Wir besorgten das Ticket, dabei wurde uns aber schon bei der Einfahrt in das Hafengelände mitgeteilt, dass die 15:30 Uhr-Fähre voll sei und wir erst die Fähre um 19:00 Uhr nehmen könnten … egal, wir haben es ja nicht eilig 🙂 Wir vertrieben uns die Zeit mit Kartenspielen und Kaffee trinken. Eine Zöllnerin erschien, kontrollierte die Pässe mit unseren Visas und versah den von uns zuvor ausgefüllten Zettel mit einem „Reentry“, da wir zuvor ja schon in Alaska, also den USA, waren. Sie schickte mich alleine mit den Pässen zur Emigration, wo ich von dem Officer unhöflich nach meinem Geburtsdatum und Geburtsort gefragt wurde – er meinte, ich sehe anderes aus als auf dem Passfoto … Zöllner halt – überall auf der Welt der gleiche Menschenschlag.

Die 15:30 Uhr-Fähre legte an und das Ent- bzw. Beladen begann. Als alle Fahrzeuge auf dem Schiff waren wurden wir tatsächlich noch zur Schiffsrampe gewunken und als letztes Fahrzeug quer ins Schiff gequetscht. Die Luke schloss sich direkt hinter uns – welch eine Freude! Die Überfahrt nach Port Angeles dauerte nur ca. 1 Stunde und nach einer weiteren kurzen Passkontrolle am anderen Ufer durften wir einfahren in die USA (keine Fahrzeugkontrolle!). Hier legten wir im Kopf wieder den Schalter um und rechneten erneut in Gallonen, Meilen und Füßen 🙂 Da es auch – wie in Alaska – in den „Lower 48“ nicht gestattet ist Früchte ins Land einzuführen, mussten wir beim nächsten Walmart erstmal unsere Vorräte auffüllen. Eine riesige Parkplatzfläche neben dem Supermarkt war bereits von einigen Wohnmobilen belegt und wir entschlossen uns, da es bereits schon wieder Abend war, gleich hier zu bleiben.

Am nächsten Tag fuhren wir erst zum Visitor-Centers des Olympic Nationalparks, welches auch in Port Angeles ist und erwarben einen Jahrespass, welcher uns den Eintritt in alle Nationalparks und (fast alle) National Monuments der USA erlaubt, ohne jeweils extra Eintritt zahlen zu müssen. In Kanada hatten wir uns den Pass auch besorgt und es hat sich absolut rentiert! In den USA rechnet sich der Pass bereits nach ein paar Wochen.

Mit unserem neuen „Spiegelanhänger“ zogen wir also los in den Olympic Nationalpark. Unterwegs zog sich der Himmel zu und es begann ein heftiger Sturm. Wir fuhren gerade durch einen Wald, als der Sturm an Intensität noch mehr zunahm und die ersten großen Äste auf die Straße flogen. Uns war nicht ganz wohl bei der Sache und so suchten wir uns ganz schnell einen sicheren Stellplatz, den wir glücklicherweise auch sofort an einem See fanden – die Sturmböen kamen direkt über den See und so konnten wir am Ufer abwettern, ohne von Ästen oder gar von Bäumen getroffen zu werden. Den ganzen Nachmittag, bis in den frühen Abend wütete der „Major Storm“ – wie ihn ein Parkranger am nächsten Tag nannte – und wir entschlossen uns an dem See stehen zu bleiben, obwohl ein „No Camping or Overnight Parking“-Schild angebracht war. Gegen 23:00 Uhr wurden wir aber tatsächlich von einem Parkranger in unserer Nachtruhe gestört und trotz des Hinweises auf den Sturm und dass wir zu unserer Sicherheit auf dem Platz stehen geblieben sind, mussten wir mitten in der Nacht den Platz verlassen. Das erste mal, dass wir von einem Nachtplatz vertrieben wurden! Gegen Mitternacht fanden wir einen Stellplatz in einem Forstweg außerhalb des Nationalparks und schliefen ganz gut.

Unsere Fahrt führte uns am nächsten Morgen wieder in den NP. Unterwegs sahen wir dann die Schäden, die der Sturm am Vortag angerichtet hatte. überall entwurzelte Bäume, viele Straßen gesperrt und Unmengen von Ästen und Tannennadeln auf der Straße. Ein Parkranger, der eine Straße absperrte, nannte uns dann einen Weg, auf dem wir doch noch an die Küste gelangen könnten. Dort angekommen unternahmen wir einen herrlichen Spaziergang entlang des weißen Treibholzes, das hier viele Küstenabschnitte säumt.

Tja … und auf der Rückfahrt zur Hauptstraße, passierte dann das Unausweichliche – der Tacho unseres lieben Ivecos wurde erstmals 6-stellig! Wir hielten kurz an, machten ein Foto und drückten unser derzeitiges Zuhause ganz fest. Der nächste Ort war dann Forks – bereits bei der Einfahrt wunderten wir uns über die ganzen Twylight-Schilder entlang der Hauptstraße. Nicht, dass ihr jetzt denkt, wir wären hinter allen Fimschauplätzen her und jetzt wären wir auch noch Twylight-Fans 🙂 … Nein – wirklich nicht … Aber den Film kennen wir und so waren wir umso erfreuter, als wir am Visitor-Center auch die beiden PickUp’s stehen sahen, die im Film und im Buch (so stand es dort geschrieben) Verwendung bzw. Erwähnung finden. Weiter im NP fuhren wir die wenigen noch befahrbaren Straßen ab, wieder mal durch herrlichsten Regenwald.

Raus aus dem Olympic Nationalpark und weiter in südlicher Richtung kamen wir durch Aberdeen. Allen Nirvana-Fans ist diese Kleinstadt sicher ein Begriff, denn hier verbrachte Kurt Cobain einen Großteil seiner Jugend. Das Wohnhaus, in dem er aufgewachsen ist, bevor sein kurzer und kometenhafter Aufstieg ein jähes Ende nahm, steht noch …

Hier verabschiedeten wir uns erstmal von der Küstenregion, weil wir über 1300 km Richtung Osten vor uns hatten – das nächste Ziel war der Yellowstone Nationalpark! Innerhalb von sechs Tagen hatten wir diese Strecke hinter uns gebracht – wir fuhren die meiste Zeit auf Nebenstraßen, durch malerische Täler und an herrlichen Flüssen entlang. Stellplätze zu finden war manchmal gar nicht so leicht – einen Abend wurde es mal wieder spät – beim Aussteigen hätte sich Rini fast übergeben – neben dem Auto lag ein totes Reh unter einer Plane versteckt – echt grauselig 🙁 …

In Kamiah/Idaho kam Rini dann eines Abends mit einer Hand voll wilder Pflaumen zurück und meinte, ich solle mitkommen. Wir pflückten eine ganze Tüte voll – Rini wollte daraus Pflaumenmarmelade kochen. Im nächsten Supermarkt besorgten wir genügend Zucker, bzw. Honig und das große Entkernen der Pflaumen begann … So bekamen wir auch diesen Nachmittag rum 😉

Da wir bereits eine Woche vor unserem Besuch des Yellowstones die Campingplätze dort gebucht hatten, konnten wir uns bereits am ersten Tag einige der Sehenswürdigkeiten ansehen – wir wussten ja, wo wir abends stehen konnten. Die Campgrounds im Park sind regelmäßig ausgebucht und ohne Reservierung ist es sehr schwer einen Platz zu finden – zumindest in der Saison! Viele Plätze schließen bereits in der ersten Septemberwoche wieder, nach dem Labourday. Wenn man sich ohne Reservierung einen Platz sucht kann es passieren, dass morgens ans Auto geklopft wird mit der Frage, ob der Platz frei wird … Egal – wir hatten ja gebucht.

Nicht, dass ihr jetzt denkt es wäre brutal überlaufen gewesen – nein! An den ganzen Attraktionen verlaufen sich die Besucher so dermaßen, dass man an manchen Orten ganz alleine ist. Die 4 Tage, die wir im Park verbrachten, waren so ausgefüllt, dass wir jeden Abend fix und fertig und unendlich glücklich ins Bett fielen. Das Aufstehen am Morgen war dann immer sehr „frisch“ 🙂 … bis die Webasto-Heizung das Innere unserer Wohnung auf annehmbare Temperaturen brachte, blieb Rini im warmen Bett liegen – was angesichts von 0 Grad auch zu verstehen war – die Campingplätze befanden sich alle auf ca. 2.450 m Höhe.

Während unserer vielen Wanderungen, auf den teils sehr morschen Boardwalks, wurde uns beim Anblick der Geysire und der kochenden Schlunde immer wieder bewusst, dass wir uns gerade auf der Caldera eines der größten Supervulkane der Erde befinden – Experten zufolge ist ein Ausbruch ja schon lange überfällig – allerdings meinen diese Experten auch – sollte das passieren, dann würde sich die Menschheit innerhalb von ein paar Tagen in die Steinzeit zurückversetzt wiederfinden. Ganz Nordamerika wäre bei einem Ausbruch unbewohnbar, die Sonnenstrahlen würde nicht mehr durch die mit Asche geschwängerte Atmosphäre gelangen und eine lange und dunkle Eiszeit würde aufziehen. Hoffen wir, dass es nie dazu kommt solange der Mensch noch diesen Planeten bevölkert – was allerdings nur noch eine überschaubare Zeit sein dürfte, wenn wir weiterhin mit Mutter Natur so umgehen, als hätten wir eine Erde 2.0 in der Hinterhand … ich schweife schon wieder ab … entschuldigung!

Der Yellowstone ist ein absolutes MUSS – ich werde jetzt auch keine große Abhandlung über den Nationalpark schreiben, sondern wir lassen jetzt einfach mal nur die Bilder sprechen.

Als nächstes geht´s weiter zum „Craters of the Moon National Monument“.
Bis bald 🙂 und wie ihr seht:

Wieder eine Bericht ganz ohne Plattfüße!!

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