80 Kilometer vor der Grenze, in „Ilave“, tankten wir unseren Iveco noch einmal voll und konnten an der Tankstelle auch gleich übernachten. 100te von Straßenhunden bellten in der Nacht um die Wette, so dass es nicht gerade die erholsamste Nacht war. Die Grenze war dann am nächsten Tag schnell erreicht und die Ausreise für uns zwei ging ganz zügig. Ich ging dann wie gewohnt zur Aduana (Zoll) um das TIP für das Fahrzeug abzugeben. Der Zöllner fragte, wo her und wo hin und gab mir dann zu verstehen, dass das System im Moment nicht funktioniert und wir warten sollten. Dann meinte er, ich solle das TIP einfach bei ihm lassen und er gäbe es später in den Rechner ein wenn das System wieder funktioniert. SUPER – DANKE! Allerdings fragte er mich noch, was mir das Wert sei und rieb den Daumen am Zeigefinger … Ich erwiderte sofort, dass dies illegal sei und da lachte er zu seinem Kollegen – HAHA … illegal …! Er nahm das TIP und meinte: „Ist schon OK …“ und wünschte uns eine gute Fahrt. Ausreise Peru erledigt! 500m weiter die Einreise nach Bolivien. Zora blieb im Auto und wir gingen erstmal zu zweit zur Einreise. Die Einreisekarten waren schnell ausgefüllt und wir durften am Schalter vortreten – 30 Tage gab es als maximalen Aufenthalt – auf Nachfrage sagte uns der Zöllner, dass wir die Aufenthaltsgenehmigung später im Land verlängern müssten, wenn uns die Zeit nicht reiche. Rini und ich, wir hatten im Vorfeld der Grenzüberquerung bereits einen „Schlachtplan“ ausgesponnen um Zora unbemerkt ins Land zu bringen. Wir gingen also beide zum Auto zurück und Rini holte Zora und ging spazieren. Ich erledigte die Fahrzeugeinfuhr. Beim Zoll bekam ich einen Internetlink und durfte im nahen Copy-Shop das Zollformular online ausfüllen. Der Zöllner meinte, wenn ich Probleme hätte, dann solle ich zu ihm kommen. 10 min später musste ich ihn dann tatsächlich holen – ich kam einfach nicht weiter. Kurzum, das Formular wurde ausgedruckt und wir gingen zum Auto, weil er die Fahrgestellnummer überprüfen wollte. Da er fast blind war musste ich ihm die Nummer vorlesen … Stempel aufs Formular und seine Unterschrift – Listo! – fertig, gute Fahrt! Ich sammelte Rini und Zora ein und wir fuhren los – 20m weit – da war eine Schranke. Eine Backpackerin, die gerade vorbeiging, öffnete die Schranke und wir fuhren einfach durch. Hallo Bolivien!

Kurz darauf rollten wir schon in „Copacabana“ ein – nein nicht das am Zuckerhut – sondern das am Titicacasee. An der Uferpromenade, der bei Touristen so beliebten Kleinstadt, konnten wir super stehen und gaben unser letztes Peru-Geld an einem Essensstand für gebratene Forelle aus. Leider erfuhren wir von Einheimischen, dass die einzige Straße nach „La Paz“ derzeit gesperrt sei – wegen Protesten. Oh je! Drei Wochen vor unserer Einreise wurde der stellvertretende Innenminister von Bolivien bei Schlichtungsverhandlungen mit streikenden Bergarbeitern erschlagen. „Na mal sehen …“ dachten wir, was das so wird. Am Markt konnten wir super günstig einkaufen und es gab wieder lecker Ceviche. Drei Tage verbrachten wir in dem herrlichen Örtchen, dann war die Blockade beendet und die Straße angeblich wieder frei. Auf nach „La Paz“ hieß es für uns! Erst mussten wir noch ein kleines Stück auf einer abenteuerlichen Fähre über den Titicacasee gondeln, um dann auf einer nicht enden wollenden Baustelle Richtung der höchstgelegenen Hauptstadt der Welt zu gelangen.

Baustellen und Umleitungen ohne Beschilderung machten das Vorankommen sehr schwer – Rini lotste uns super durch die riesige Stadt und wir kamen fix und fertig im „Hotel Oberland“ an. Ein Treffpunk für Overlander. Wir blieben nur eine Nacht, da fast nix los war und der Platz unserer Meinung nach viel zu teuer war für das was er bot. Um zu unserem nächsten Ziel zu kommen, mussten wir den Talkessel von „La Paz“ noch einmal durchqueren. Als wir uns so durch den Verkehr stauten fand Rini den passenden Vergleich – „La Paz“ schaut so aus als ob jemand eine Stadt in den Bryce-Canyon gebaut hätte – es ist eigentlich unvorstellbar, wie in so einer Region eine so gewaltige Stadt entstehen konnte …

Irgendwann waren wir dann raus aus dem Moloch und mussten feststellen, dass wir kein einziges Foto gemacht hatten! Die neue Straße nach „Coroico“ ist schön breit und mit einem glatten, schwarzen Belag versehen. Aber wer will denn das schon fahren? Auf halbem Weg kann man von der Straße abfahren auf die „El camino de la muerte“ – Die Straße des Todes! Die ehemals gefährlichste Straße der Welt – solange, bis die neue Umgehungsstraße gebaut wurde. Heute fahren nur noch Radtouren und Touristen diese alte unbefestigte Route. Wir stiegen also ein. Eng an den Berg geschmiegt führte der Weg durch immer dichter werdenden Dschungel. Unglaubliche Ausblicke boten sich und wir fanden die Straße echt spektakulär und wunderschön. Die Gefährlichkeit wurde allerdings durch Leitplanken größtenteils entschärft. Allerdings stehen noch 100te von alten Kreuzen am Wegesrand und auch heute noch verlieren jedes Jahr Radfahrer ihr Leben auf der Todesstraße. Spät kamen wir dann in „Coroico“ an und fanden einen ruhigen Stellplatz oberhalb des kleinen Örtchens. Am nächsten Tag war Markttag und es war brutal voll. Rini wartete mit Zora in der brütenden Hitze vor der Markthalle und ich brachte alle fünf Minuten neue Tüten nach draußen und stellte sie bei ihr ab.

Irgendwann hatten wir genug Proviant für unser nächstes Abenteuer: Von „Coroico“ aus 500 Kilometer Richtung Süden auf unbefestigten Straßen durch Dschungel und Bergwelten nach „Cochabamba“. Wir ließen noch Luft aus den Reifen und dann ging es los. Die Piste führte – genau wie die Todesstraße – an Berghängen entlang und wir hatte pro Tag zwischen 7000 und 9000 Höhenmeter zu überwinden. Ein absolutes Highlight für uns. Unterwegs änderten sich Landschaft und Vegetation immer schlagartig. Dschungel und Kakteen wechselten sich ab. Auf halbem Weg musste ein 200 m breites Flussdelta durchquert werden, ohne Brücke – das wussten wir – aber da gerade Trockenzeit war, machten wir uns keine all zu großen Gedanken. 30 Kilometer vor dem Fluss fanden wir einen Nachtplatz und ich kümmerte mich noch um den Iveco.

Am Morgen sah ich dann beim Routinecheck, dass im linken Hinterrad recht wenig Luft war. 1,2 Bar zeigte der Luftdruckmesser. Also Plattfuß Nummer 10 auf unserer Reise. Allerdings der erste seit 11.000 Kilometern. Aus dem Reifen holte ich einen geflickten Schlauch. Die Vulkanisierung von dem Flicken hatte sich an einer Stelle gelöst. 1,5 Stunden später waren wir wieder unterwegs in Richtung Flussdelta. Die Furt zu finden war nicht sehr schwer und der Wasserstand war so niedrig, dass Rini sich das Ablaufen hätte sparen können – aber wir gehen ja immer auf „Nummer Sicher“!
Zwei Fahrtage später waren wir am Abend kurz vor „Cochabamba“ und fanden weit über der Stadt einen spitzen Wildcampingspot mit 5 Strerne-Aussicht über die Stadt. Am Camping in der Stadt blieben wir zwei Tage – wir hatten nämlich richtig viel zu tun. Im ganzen Auto war der feine Staub der letzten 500 Kilometer Piste bis in die letzte Ritze gedrungen – alles musste raus und gereinigt werden. Danach war plötzlich wieder viel mehr Platz im Auto und Rini meinte jetzt können wir ja wieder Kunsthandwerk kaufen …
Mit frisch geputztem Wagen ging es dann weiter Richtung „Sucre“. Hinter „Cochabamba“ fuhren wir zum ersten Mal in Bolivien eine Tankstelle an – wir wussten ja, dass es schwierig wird an Diesel zu kommen und so fragte ich erstmal vorsichtig nach, ob wir tanken könnten. Nein, ich solle neben der Tankstelle parken und mit dem Kanister kommen – 20 Liter zum einheimischen Preis gab es dann. Naja, wenigstens etwas. Die Tankstellen sind meist videoüberwacht und ausländische Fahrzeuge müssen mit Beleg den fast dreifachen Preis für Treibstoff bezahlen.

Unterwegs übernachteten wir in einem Flussdelta und badeten im herrlich warmen Wasser. Mit Schrecken mussten wir am Abend feststellen, dass wir im hinteren Bereich unserer rollenden Wohnung keinen Strom mehr hatten. Die 40A-Hauptsicherung für den hinteren Kreis war kaputt. Ich dachte OK – kann ja mal passieren und steckte eine neue Sicherung in den Halter – diese flog auch sofort. Das Messgerät zeigte dann einen 100%tigen Masseschluss auf dem hinteren Kreis. Nach 30 Minuten fand ich den Fehler – der Handgreifzug im Heck hatte sich aus seiner Halterung gelöst und war mit dem Griff hinter eine Abdeckung gerutscht – dort hatte er dann den Plus- und Minuskontakt einer Zusatzsteckdose zusammen gebogen?!

Wir probierten dann am nächsten Tag was anderes aus um an Diesel zu kommen. An einer Tankstelle parkten wir außer Sichtweite und ich ging wie selbstverständlich mit dem Kanister zur Zapfsäule, sagte eine fünfstellige Nummer (hatte ich an der andere Tankstelle mitbekommen) und schwups – bekam ich 20 Liter Diesel zum einheimischen Preis…. 🙂

In „Sucre“ gab es nahe der Altstadt einen ganz kleinen Campingplatz, der von zwei älteren Leutchen betrieben wird. Wir waren die einzigen Gäste und bekamen den Schlüssel für das Einfahrtstor. Keine 5 Minuten Fußmarsch und wir waren am Hauptplatz der wunderschönen kleinen Stadt. Besser ging es nicht. Das Essen am Markt war wieder günstig und viel. Einmal war der Teller so voll, dass drumherum Servietten auslegen mussten, weil alles über den Rand lief :-). Das Internet am CP war gut und so konnten wir in Ruhe recherchieren, wie wir Zora nach Chile bringen. Wir brauchten eine Bewilligung der „Senasag“-Behörde. Diese Behörde ist wohl so was ähnliches wie das Gesundheitsamt bei uns. Da die Bewilligung zur Ausfuhr von Zora nur 10 Tage gültig ist, mussten wir Planen und Rechnen. Alles hin und her half nix – nie und nimmer hätten uns die 10 Tage gereicht, für das was wir noch im Land vorhatten (die letzte Senasag-Behörde in Richtung Grenzübergang befindet sich in Potosi) … Also Problem erst mal vertagt!

Die Bergarbeiterstadt „Potosi“ war dann unser nächstes Ziel. Vor der Stadt war in „iOverlander“ eine Tankstelle eingetragen, deren Mitarbeiter es wohl mit dem Gesetz nicht zu genau nehmen – tatsächlich konnten wir bis an die Zapfsäule vorfahren und zum einheimischen Preis volltanken. 100 Liter flossen so in den Tank. Super! Ein sicherer Stellplatz war in der Stadt schnell gefunden und Rini suchte in „TripAdvisor“ die beste Pizzeria der Stadt. Die Pizzen waren so groß, dass jeder nur eine halbe schaffte – Essen war also für den nächsten Tag gesichert. „Potosi“ war dann auch der letzte Ort, in dem es eine „Senasag“-Behörde gab und wie der Zufall es wollte gab es am Morgen am Hauptplatz eine große Veranstaltung, auf der auch die Senasag ein Zelt hatte. Wir fragten nach und bekamen sofort Auskunft, dass der zuständige Mitarbeiter gerade in La Paz wäre und erst morgen wieder im Büro sei. Also einen Tag „Zwangsaufenthalt“! Am Nachmittag fuhren wir zur Behörde und trauten unseren Augen nicht – eine Gesundheitsbehörde in einem hässlichen unverputzten Ziegelbau umgeben von Dreck, Müll und Straßenhunden – das war echt unglaublich. Wir fragten in der Behörde trotzdem nach und bekamen die gleiche Antwort, dass der Arzt erst morgen wieder im Haus sei – wir könnten aber inzwischen die 50 Soles Gebühren bei der Bank einzahlen. Ich fuhr mit dem Taxi zur Bank und somit war das schon mal erledigt. Am Morgen warteten wir dann auf den Arzt. Im bitterkalten Büro saßen wir zusammen mit zwei Neuseeländern, die auch eine Ausfuhrbewilligung für ihren Hund brauchten und warteten … Irgendwann waren wir vollkommen durchgefroren und der Arzt erschien. Wir stellten uns dumm und sagten, dass wir eine Bewilligung bräuchten – für 30 Tage. Er meinte „Nein“, die Bewilligung gelte nur 10 Tage. Wir setzten eine erschrockene Miene auf und er beruhigte uns sofort: Das sei kein Problem – er datiere die Bewilligung einfach vor … Aha! Danke! Dieses Problem war also gelöst.

Mit dem wichtigen vordatierten Formular in der Hand machten wir uns auf nach „Uyuni“. Durch karge Berge ging es diesmal und irgendwann tauchte hinter einem Hügel der „Salar de Uyuni“ vor uns auf – mit der gleichnamigen Stadt davor, in der wir uns sofort super zurecht fanden. Wir schlenderten über den Markt und gingen wieder Pizza essen. Die zwei Neuseeländer tauchten auch noch in der Pizzeria auf und am Abend fuhren wir aus der Stadt um am Eisenbahnfriedhof zu übernachten. Am nächsten Morgen dann die obligatorischen Fotos der alten Loks und dann fuhren wir zum Tierarzt – wir brauchten noch ein aktuelles Gesundheitszeugnis für Zora – auch dieses wurde vordatiert, so dass wir also genügend Zeit hatten nach Chile zu kommen.
Da wir ja immer auf unser Auto schauen wollten wir nicht Hals über Kopf auf den salzigen Salar fahren – nein! Vorher fuhren wir zu einer Autowäscherei und ließen für umgerechnet zwei Euro eine sogenannte „Fumigation“ machen. Dabei wird das Auto von unten mit einem Diesel-Öl-Gemisch eingesprüht. Aus Umweltgesichtspunkten natürlich eine absolute Sauerei! Es tropfte aber nix und kurze Zeit später war eh alles mit Staub bedeckt – mit einer Schutzschicht gegen das Salz. Dann waren wir gerüstet für den größten Salzsee der Erde. Am Anfang waren wir etwas enttäuscht, weil der Salzsee gar nicht weiß war, sondern eine richtige braune Schicht hatte – aber je weiter wir auf den Salar hinaus fuhren – um so weißer wurde er. 80 Kilometer über eine, nur 10 cm dicke, Salzkruste zu fahren war echt eine tolle Erfahrung!
Wir übernachteten irgendwo im Nirgendwo und fuhren am nächsten Tag zur „Isla Incahuasi“, einer kleinen Insel auf dem Salar, auf der wunderschöne Kakteen wachsen. Bei der Rückfahrt wurde dann ein ausgiebiger Fotostop eingelegt und die Drohne kam mal wieder zum Einsatz. Die Akkus waren voll und die Kalibrierung war erfolgreich, als wir die Motore starteten. In ca. 20 m Höhe hatte ich auf einmal keine Kontrolle mehr. Die Drohne begann selbständig eine Linkskurve und ich versuchte alles mögliche mit der Fernbedienung – ohne Erfolg – in 200 m Entfernung schlug sie im Salar ein. Wir dachten beide sofort an einen Totalsachaden! Der Akku lag 10 m von der Drohne entfernt. Ein Propeller war an der Spitze abgebrochen – sonst waren keine weiteren Schäden sichtbar. Wir überprüften alles, die Kamera funktionierte und die Motore liefen. Wir machten noch einen Testflug und sie benahm sich, als wenn nie etwas gewesen wäre … Der Schock saß aber trotzdem tief!
Zurück in Uyuni besuchten wir sofort wieder die Fahrzeugwäsche und bekamen eine ausgiebige Fahrzeugreinigung mit anschließender „Fumigation“. An der angrenzenden Tankstelle fragte ich mit dem Kanister in der Hand nach Diesel – 20 Liter zu 6 Bolivianos gab es – ohne Rechnung! Wir übernachteten noch einmal am Eisenbahnfriedhof und am Morgen statteten wir einer anderen Tankstelle noch einen Besuch ab. Ich fragte nach dem Preis für Gringos und da musste er lachen – der offizielle Aushang zeigte 8,8 BL für einen Liter Diesel – ich sagte, dass ich keine Rechnung brauche und wir verhandelten – bei 5,5 BL pro Liter trafen wir uns dann und ich konnte direkt an die Zapfsäule fahren (Preis für Einheimische 3,75 BL).
Am Markt kauften wir noch einmal ein und dann hieß es für uns „auf zur Lagunenroute“! Diesel hatten wir jetzt genug und die Wassertanks waren voll. Erst ging es am Salar entlang auf einer üblen Wellblechpiste und am Abend kamen wir am Abzweig zur Lagunenroute an. Die ersten Kilometer waren nur in Schrittgeschwindigkeit und in Untersetzung zu überwinden – dann ging es besser vorwärts – hinein in eine der spektakulärsten Landschaften unsere Erde. Die Berge in so vielen verschiedenen Pastellfarben, dass man meinen könnte sie wären angemalt worden. Die Piste war weich und zerfahren – aber wir kamen mit unseren 4 Tonnen gut voran. Am Morgen des 2. Tages dann die erste Lagune mit unzähligen Flamingos. Die Lagune war am Morgen teilweise noch zugefroren. Wir legten einen ausgiebigen Fotostop ein und kamen an die Flamingos ganz nah ran – es war einfach fantastisch.

Irgendwann später waren dann in einiger Entfernung 10 Fahrzeuge zu sehen. Ich nahm das Fernglas und musste echt zweimal hinsehen – da fuhren doch tatsächlich 7 neue Bentleys Bentayga und drei Begleit-Pickups. Es gibt also doch noch Hersteller, die ihre Fahrzeuge wirklich testen und nicht einfach vom Reisbrett auf die Straße schicken. Allerdings werden solche Test wohl auch vom Endkunden bezahlt – ein Bentley Bentayaga kostet schließlich die Kleinigkeit von 275.000 € (ohne die aufpreispflichtige Borduhr von Breitling im Wert von 150.000 €) – ähm … ich schweife ab.

Wir fuhren also weiter und trafen unterwegs eine Radfahrerin. Eine alleinreisende Japanerin unterwegs von Alaska nach Feuerland. Wenn wir Radfahrer treffen, dann wundern wir uns immer das alle – aber wirklich alle – immer ein Lachen im Gesicht haben – auch wenn die Anstrengungen noch so groß sind – so auch die junge Japanerin mit ihrem aufgepackten Rennrad, welches sie die meiste Zeit schieben musste, da die viel zu dünnen Räder viel zu tief im Sand einsanken. Sie erzählte, dass sie an diesem Tag schon seit 3 Stunden unterwegs sei, trotzdem bisher aber nur ganze 7 Kilometer geschafft habe. UNGLAUBLICH! Wir boten ihr noch Wasser an – aber sie brauchte nix …
Weiter ging es für uns durch unfassbare Landschaften zur „Laguna Honda“, wo wir auf einer Landzunge übernachteten. Am Morgen war die Lagune zugefroren und die Flamingos hatten sich über Nacht in Gruppen zusammengefunden, um der Kälte im Wasser stehend zu trotzen. Unsere Außentemperaturanzeige hatte sich entschlossen nicht mehr zu arbeiten – das LCD-Display war dunkel. Es war ihr wohl zu kalt. Sogar das Wasser im Hundenapf war am Morgen gefroren – Zora verstand die Welt nicht mehr 😉
Am „Arbol de Piedra“, einem von Wind und Erosion geformten Felsen, entschlossen wir uns noch eine Schleife über alte „Dakar-Piste“ an eine andere Lagune zu fahren. Die Lagune lag herrlich auf 4600 m – unsere höchste Nacht – es wurde so kalt, dass ich mir alle 2 Stunden den Wecker stellte um jeweils für 2 Stunden den Motor laufen zu lassen.
Am nächsten Tag erreichten wir die bekannte „Laguna Colorada“ – in einem kräftigen Rot lag sie vor uns und unzählige Flamingos wanderten im seichten Wasser umher und suchten nach Nahrung. Am Eingang zum Nationalpark, der direkt an der Laguna Colorada liegt, kam ein Ranger aus seinem Häuschen und fragte was wir denn da für ein Fahrzeug hätten – ich sagte, dass es ein Iveco sei und da kam ein „OHHHH!“ über seine Lippen „IVECO – Dakar-Champion!“ – „Si!“ sagte ich „Dakar-Champion 2016!“ ;-). Der Parkranger bat mich in sein Büro, um die Parkgebühr zu bezahlen. Drinnen meinte er (das wussten wir vorher schon), dass wir 4 Tage Aufenthalt bekommen würden. Ich setzte eine betretene Miene auf – „Nur 4 Tage?“ … „Aber wir brauchen 5 Tage bis zur Grenze nach Chile …“ – Er lächelte kurz und stellte das Datum seines Stempels einen Tag vor – so hat er uns 4 Tage gegeben. wir hatten aber 5 Tage im Park. „Muchas Gracias!“. Wir blieben also noch weitere Tage auf über 4000 m Höhe in einer unwirklichen Gegend. Die letzte Nacht verbrachten wir am Parkausgang. Es war bestimmt die kälteste Nacht auf der ganzen Strecke. Den Motor ließen wir nicht laufen, da neben uns Radfahrer in ihren Zelten übernachteten. Die taten uns echt leid! Bei weit unter -10 °C im Zelt …
Uns trennten noch 5 staubige Kilometer vom Grenzposten auf bolivianischer Seite. Wie es weiter geht und ob es in Chile mit der Einreise (speziell von Zora) geklappt hat, das erfahrt ihr im nächsten Bericht …. aber wie es sich anfühlt im IVECO über den Salar und die Lagunenrouten zu holpern, das könnt ihr schon jetzt hier sehen:
Fazit Bolivien:

Viele Reisende warnten uns im Vorfeld vor der Unfreundlichkeit in diesem Land … Die Menschen seien Ausländern gegenüber sehr feindseelig eingestellt und hätten auch sonst kein Lächeln auf den Lippen. Die Straßen in Bolivien seien eine absolute Katastrophe und tanken wäre seeeehr schwierig.

Nichts davon können wir bestätigen. Die Leute waren genauso nett wie sonst auch, die asphaltierten Straßen sind durchweg in einem tatellosen Zustand, wo es Baustellen oder unausgebaute Routen gibt, muss man natürlich Abstriche machen – aber das ist ja klar in Südamerika. Diesel bekommt man, man muss sich nur etwas anstrengen und den Gegebenheiten anpassen. Also keine Angst vor Bolivien, es ist ein atemberaubendes und abwechslungsreiches Land, in dem man locker mehr als nur einen Monat verbringen könnte!

 

  • gefahrene Strecke: 2.400 km
  • Schäden bzw. Verschleißteile:
    -Masseschluss im Fahrzeugheck
    -Kontakte der Steckdose zusammen gebogen
  • Verluste:Stirnlampe (nicht mehr auffindbar – bestimmt aus der Tür gefallen)
  • Plattfüße: einer
  • Ausrüstungs FLOPPs:
    LCD-Außentemperaturanzeige – steigt bei extremen Minusgraden aus