In Grants Pass hatten wir den letzten Bericht hochgeladen und unsere Lebensmittelkisten komplett gefüllt.

Ein alter Freund von mir hätte spätestens da Folgendes gesagt: „Nichtwissen schützt vor Angstzuständen!“ – Dazu aber später mehr … Unsere Mittagspause verspätete sich an diesem Tag etwas, weil wir eine kleine Straße abseits unserer Route nahmen, die sich über 11 Kilometer einen Berg hinauf schlängelte. Oben angekommen, auf einem Höhenzug rund um den Onion-Mountain – mit einer fantastischen Fernsicht – entschlossen wir uns, es für heute (nach nur 37 Kilometern) gut sein zu lassen. Die Sonne ging am Abend ganz kitschig unter und ein herrliches Sternenzelt breitete sich über uns aus. Am Morgen kam noch ein Officer, der auf Patrouille im National Forest unterwegs war, auf ein Schwätzchen vorbei, danach rollten wir den Berg hinab, um unsere Route wieder aufzunehmen.

Nach wenigen Kilometern waren wir an der Grenze zu Kalifornien und mussten – wie alle anderen Fahrzeuge auch – auf eine Kontrollspur: „Fruchtkontrolle“ – nach Kalifornien dürfen also keine Früchte eingeführt werden. Oh je … das hätten wir eigentlich wissen müssen – MIST, wir hatten doch erst eingekauft! Der Officer spulte seinen Standardsatz ab: „Irgendwelches Obst oder Gemüse dabei?“ – und am Ende fiel dann noch das Wort „firewood“, auf welches ich gleich ansprang: „Äh, sorry – firewood is not allowed?“. Ich sagte ihm, dass wir noch Feuerholz hätten und zeigte auf einen großen Scheid. Nachdem er meinte, dieses eine sei ok, durften wir weiter fahren … Puh! Glück gehabt! Ablenkungsmanöver hat funktioniert 😉

Nach nur wenigen Kilometern verließen wir den „Redwood Highway“ und bogen ab auf die „Howland Hill Road“ – eine ganz kleine Straße, die sich durch einige Redwood Groves schlängelt. Wir waren angekommen – am Anfang des „Redwood Nationalparks“ – einem Zusammenschluss mehrerer Waldgebiete, in denen die letzten großen Baumriesen, hier im nördlichen Kalifornien, stehen. An den folgenden Tagen unternahmen wir immer wieder viele kleinere Spaziergänge auf Trails, die uns in die unwirklich anmutenden und üppigen Wälder führten, in denen wir aus dem Staunen kaum mehr heraus kamen. Über 2000 Jahre sind die ältesten Bäume alt. Mit einem Stammdurchmesser von bis zu 6 Metern wachsen sie kerzengerade in den Himmel und verlieren nach oben hin kaum an Durchmesser, was sie wie überdimensionale Säulen wirken lässt. Man kommt sich vor, als wäre man auf einem anderen Planeten, wo alles etwas größer ist. Ein Stück weiter in Richtung Süden fanden wir eines Nachmittags, in dem kleinen Örtchen „Orick“, einen klasse Stellplatz auf einem etwas vernachlässigten Wanderparkplatz, dort gab es sogar WIFI 🙂 Wir beantworteten E-Mails, tranken Kaffee und ich machte einen Ölwechsel.

Das nächste Ziel war „Ferndale“, wo wir uns auf dem Fairground der Stadt (dort gab es einen provisorischen Campingplatz) einbuchten und extrem herrlich-heiße Duschen benutzen durften (und das auch noch unbegrenzt lange und unbegrenzt oft, für nur 10 Dollar pro Nacht!!). Am Abend schlenderten wir in das Städtchen. „Ja, wo sind wir denn hier gelandet??“ – Wir fühlten uns wieder mal wie in ein andere Zeit zurück versetzt – in Ferndale scheint die Zeit vor einigen Jahrzehnten einfach stehen geblieben zu sein. Die viktorianischen Wohnhäuser, die gepflegten Geschäfte und die überdekorierten Auslagen, die Autowerkstatt an der Hauptstraße, einfach alles an dieser Stadt wirkte nostalgisch und „puppig“ – einfach urig! Am nächsten Morgen liefen wir noch einmal durch die Stadt um alles abermals bei Tageslicht zu erkunden, bevor wir uns auf den Weg, über die „Mattole Road“, an die Küste machten.

Eng, kurvig, steil bergauf und steil bergab überquert die extremst schlechte Straße einige (nicht enden wollende) Höhenzüge. Unterwegs nahmen unsere Nasen immer wieder den aufdringlich-angenehmen Marihuana-Duft wahr. Diese Gegend eignet sich wohl hervorragend  für den Anbau (Marihuana ist in Kalifornien, zumindest zur medizinischen Anwendung, legal). Immer wieder sahen wir Plantagen dieser „Zierpflanze“. Hinter einer weiteren, der hier so zahlreich vorhandenen Kurven, sahen wir dann tatsächlich drei Zebras auf einer Wiese stehen – das lag aber nicht daran, dass wir benebelt waren – ein Beweisfoto folgt in der Bildergalerie unten 😉 Hinter einer losen Ansammlung von Gebäuden, der Ort nennt sich „Petrolia“, nahmen wir die bis zur Küste verlaufende Sackgasse „Lighthouse Road“ und auf Schotter und Wellblech schaukelten wir dahin. Am Ende angekommen, konnten wir kostenlos auf einem spatanischen, aber ideal gelegenen Campground bleiben (Feestation zur Selfregistration außer Betrieb) und an der herrlich rauen Küste mit dem kilometerlangen, absolut einsamen Sandstrand einen grandiosen Sonnenuntergang erleben. Die Weiterfahrt auf der „Mattole Road“ bescherte uns dann tatsächlich noch eine Schwarzbärsichtung – 100 m vor unserem Auto sprintete ein Exemplar  über die schmale Straße. Unglaublich wie schnell der war! Flüchten wirklich zwecklos 😉 .

Da wir wieder in den „Redwoods“ unterwegs waren, unternahmen wir noch einige Spaziergänge und fuhren die, zum touristischen Pflichtprogramm gehörende, „Avenue of the Giants“ ab. Durch große Bestände dieser Riesen schlängelt sich die alte Straße neben dem neuen Highway entlang.

Wieder zurück auf der 101 mussten wir tanken. Als der Tank gefüllt war und ich gerade wieder ins Auto steigen wollte sah ich, dass der linke Hinterreifen komplett platt war – SUPER! 🙁 Naja, seit dem letzten Plattfuß in Alaska sind wir 11.000 Kilometer gefahren und schließlich darf ich ja auch nicht aus der Übung kommen! Irgendwie hatten wir ja eh schon die Befürchtung, dass in irgendeinem der fünf Räder noch ein alter dünner 7,50er /8,25er Schlauch drin ist – und genau der kam in dem platten Rad zum Vorschein … Zur Info: Jetzt sind alle Räder mit 9,00er Schläuchen bestückt.

Weiter ging es für uns auf der Küstenstraße 1, welche hauptsächlich aus einer Aneinanderreihung von Kurven, mit durchgehend grandioser Aussicht, besteht. Diese Straße dürfte wohl bei der Bewertung der schönsten Küstenstraßen der Welt einen Platz ganz weit vorne einnehmen. Wir fanden herrliche Stellplätze mit unglaublichen Ausblicken über die schroffe Pazifik-Küste mit ihren zahllosen Steinformationen, Bögen und Inseln, die von der tosenden Brandung umschäumt werden – ein Schauspiel, dass einfach nicht langweilig wird! Am „Bowling Ball Beach“ unternahmen wir einen tollen Strandspaziergang, zu den am Ufer liegenden „Bowling-Kugeln“.

Langsam näherten wir uns San Francisco. Die letzten Kilometer auf der Küstenstraße waren ein Graus (für Motorradfahrer allerdings eher ein Genuss!) – steil ging es nochmal durch enge Kurven und Serpentinen auf und ab, bevor wir erleichtert auf den Highway trafen, der uns direkt in Richtung Golden Gate Bridge bringen sollte. Kurz vor der Brücke nahmen wir die Ausfahrt zu den „Marin Headlands“ – steil ging es auch dort bergauf und wie der Zufall es wollte, wurde an einem kleinen Aussichtspunkt auf halber Höhe, ein Parkplatz für unseren Iveco frei. Kein Schild weit und breit mit „No Overnight Parking“ – KLASSE!!! (Danke für den Tipp an Marita und Jan). Genau vor unserer Windschutzscheibe – das Wahrzeichen der Stadt – und zum Abendessen wurden dann auch noch alle Lichter auf der Brücke eingeschaltet – was will man mehr? Die Brücke wurde zwischen 1933 und 1937 errichtet und so wie es auf einer Info-Tafel stand, erhält sie alle 27 Jahre eine frische Komplettlackierung (muss ein guter Lack sein, der da verwendet wird …). Ein Meisterwerk der Architektur und der Stahlbaukunst!

Am nächsten Morgen – wir blieben in dieser Nacht tatsächlich unbehelligt, ein paar Zweifel hatten wir schon – sind wir dann mir der Dax über die Golden Gate Bridge in die City gefahren. Natürlich war der touristische Pier 39, mit seiner kleinen Seelöwenkolonie, genauso Pflichtprogramm, wie das pulsierende Chinatown und das urige Alternativ-Viertel „Haight Ashbury“. Eigentlich wollten wir ja auch noch die Gefängnisinsel Alcatraz besichtigen, aber in Anbetracht der Massen, die an dem Pier anstanden wo die Fähre ablegt, haben wir darauf verzichtet und uns für das gesparte Geld lieber was zum Anziehen im „Hard Rock Cafe“ gekauft 🙂 . Wenn man Berichte über diese fantastische Stadt im Fernsehen sieht, dann kommt es niemals rüber, wie steil diese Straßen wirklich sind. Sehr beeindruckend ist, wenn die „Cabelcars“ neben einem über eine Kuppe kippen. Obwohl wir in der Stadt mit zwei Rädern unterwegs waren, war die Fahrerei doch sehr anstrengend – das ewige Auf und Ab und die Entfernungen schlauchen schon – zumal die Straßen nicht gerade die besten sind! Nach einem langen Tag in der City brachte uns unsere Dax wieder sicher zurück zum Auto.

Später an diesem Abend, als es bereits dunkel war, bekamen wir nochmal Besuch – drei Waschbären erschienen vor unserem Auto. Die Kleinen waren so putzig und vor allem neugierig – Rini hat sich sofort verliebt und hätte am liebsten alle drei mitgenommen 😉 . Wir blieben nochmals eine Nacht mit der 5-Sterne-Aussicht auf die GG-Bridge, bevor wir uns aufmachten in Richtung Osten, zur „Sierra Nevada“ und dem „Yosemite National Park“.

Unterwegs wurde es mal wieder richtig heiß und Rini benutzte das erste Mal unsere neueste Errungenschaft – eine mit Wasser gefüllte Pump-Sprühflasche! Damit können wir uns Kühlung verschaffen, wenn es gar zu heiß wird – funktioniert Klasse, besonders im Fahrtwind bei geöffnetem Fenster! 50 Kilometer vor dem NP fanden wir einen offenen Campground mit einem abgeklebten Selfregistration-Schacht (Saisonende) – SUPER! Umsonst 🙂

Am Eingang zum Park zeigten wir dann wieder unseren Jahrespass und mussten somit keine 30$!!! Eintritt bezahlen. Wir hätten uns diesmal echt geärgert, denn kaum waren wir am Anfang der Schlucht angekommen, sahen wir … NICHTS! Denn riesige Rauchwolken stiegen aus dem Tal auf, die einfach alles komplett vernebelten. So konnte man die malerischen, steil aufragenden, Granitfelsen leider nur noch erahnen. Unten angekommen parkten wir das Auto, packten einen Rucksack mit Proviant und nahmen den kostenlosen Shuttlebus, der die  Hauptattraktionen des überschaubaren „Yosemite Valley“ abfährt, bis zum „Mirrow Lake Trail“. Am Ende des Trails mussten wir dann feststellen, dass überhaupt kein Wasser mehr im See war. Es ist halt doch schon recht spät im Jahr. Unterwegs begegneten uns wieder viele Hörnchen. Bereiten uns diese quirligen Tierchen sonst immer extreme Freude, sahen wir sie diesmal allerdings mit eher gemischten Gefühlen – hat sich doch tatsächlich in diesem Jahr ein Camper im Yosemite NP mit der PEST!! infiziert. Die Flöhe, deren Wirte eben diese Hörnchen sind, sollen die Überträger gewesen sein … 🙁

Da alle Campingplätze im Park voll waren und man auf Grund des Rauches sowieso nicht viel sah, verabschiedeten wir uns vom Yosemite und machten uns daran, den Tioga Pass zu erklimmen, der uns zum „Mono Lake“ bringen sollte – über 3000 m hoch ist der Scheitelpunkt des Passes – neuer Höhenrekord (für uns und für den Iveco). Am Mono Lake, dem größten Kratersee der Welt, trafen wir dann das erste mal nach sehr langer Zeit wieder Deutsche mit eigenem Fahrzeug – Horst, zu dieser Zeit noch mit seiner Tochter Marion im Unimog unterwegs, will auch – mit wechselnden Mitfahrern – bis nach Ushuaia. Wir besichtigen die Tuffsteingebilde am Kratersee und haben erfahren, dass der Wasserspiegel des Sees, der keinen natürlichen Abfluss besitzt, in den letzten ca. 50 Jahren um ganze 15 Meter gefallen ist. Grund ist der sinkende Grundwasserspiegel durch den zu hohen Wasserverbrauch von Los Angeles.

Über eine einsame Straße ging es dann weiter Richtung Osten, tief hinein in die Steppe der „Sierra Nevada“. Jetzt ist der Name Programm … es geht nämlich als nächstes nach Nevada und Utah.

Was wir dort unternehmen, das folgt im nächsten Bericht.

Schäden:
– 1 Plattfuß

Verluste:
– 1 Objektivdeckel

Ausrüstungs-Tops:
– kühlende Sprühflasche 🙂

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